Ein Redner rief von seinem Lautsprecherwagen aus eine Serie von Parolen gegen die deutsche Flüchtlingspolitik. Nach seinem langen routinierten Vortrag übernahm eine Co-Rednerin der gleichen Gruppe das Mikro und fügte hastig hinzu, dass sie natürlich auch gegen Polizeistaat, Überwachung und Vorratsdatenspeicherung sind. Puh, damit passte der Redebeitrag doch noch irgendwie zur Demo.
So erlebte man es mehrfach auf einer Themen-Demo, wo einige Gruppen und Parteien teilnahmen, die eigentlich nur gegen das immer gleiche demonstrieren und sich selbst ins Rampenlicht stellen, sobald sie eine Gelegenheit dazu kriegen. In dem Irrglauben, dass die Demonstranten ihretwegen da sind. Mit den gleichen Fahnen, Plakaten, T-Shirts und Parolen, die sie sonst auch immer mitbringen. Ihre Lautsprecherwagen stellten sich selbstbewusst an die Spitze einer Demo, die doch nicht ihre war.
Ihre mitgebrachten Standardplakate gingen unter im Meer der friedlichen Teilnehmer, deren Plakate tatsächlich etwas zum Thema der Demo zu sagen hatten.
Nur dem schwarzen Block wäre das Demonapping beinahe gelungen. Die aufgebrachte Gruppe nutzte die durch eine Baustelle unglücklich verengte Streckenführung, um gleich zu Beginn des Umzugs am Adlon-Hotel die Polizei zu provozieren. Gebrüll und der Versuch, die Absperrung zu durchbrechen. Wenige Meter von mir entfernt ein lauter Knall aus dem schwarzen Block heraus, ich glaubte in dem Moment an eine Schreckschusspistole, Heise berichtet von einem Feuerwerkskörper. Ich war nicht nah genug dabei, aber andere erzählten, dass beim Adlon einiges zu Bruch ging und Steine gegen die Polizisten geworfen wurden. Wie doof kann man sein? Die Vorfälle für Ort rechtfertigen in meinen Augen nicht die unangebrachte Märtyrer-Prosa auf Indymedia.

Auch die Polizei zeigte Humor.
Wie doof kann aber eine Einsatzleitung sein, die einer randalegeilen Randgruppe prügelgeile Polizisten gegenüberstellt? Ein Bild blieb mir in Erinnerung: Ein Polizist in voller Montur streichelte demonstrativ vor den friedlichen Demonstranten seine Pfefferspray-Tube, offensichtlich freute er sich darauf, sie gleich einzusetzen. Provokation auf beiden Seiten. Liebe Freunde und Helfer, Deeskalation ist etwas anderes.

Freunde und Helfer, bereit zur Deeskalation.
Der schwarze Block setzte klar auf Eskalation. Wir gingen am Ende des Demonstrationszuges zurück Richtung Brandenburger Tor, die Stimmung war friedlich. Nur eine hysterische Rednerin auf einem Lautsprecherwagen wünschte sich Randale herbei, polemisierte gegen die dämonische Polizei, berichtete von Unterdrückung, Festnahmen und Schlagstockeinsatz. Sie forderte auf, uns zu solidarisieren und die Polizei anzugreifen, wenn diese “unsere Genossen” angreift. Meine Genossen?

Gewaltbereiter Demonstrant.
Bald darauf gingen wir am eingekesselten schwarzen Block vorbei, Gerüchte über Provokationen, An- und Übergriffe beider Seiten machten die Runde. Der arme Patrick Breyer musste sich in Sichtweite der Randale von friedlichen Demonstranten Vorwürfe anhören, dass die Chaoten mit RAF-Parolen versuchten, die Themenhoheit über die Demo zu übernehmen.

Wie praktisch, dass der schwarze Block genau dort randaliert, wo man prima fotografieren kann.
padeluun fand dann bei der Abschlusskundgebung vor dem Brandenburger Tor den richtigen Ton, als einzelne Schwarzblocker vor der Bühne schimpften und agressiv auf die Veranstalter einschrien. Ich hatte Sorgen, dass gleich eine Prügelei unter den Demonstranten losgeht. Nachdem padeluun von der Bühne aus den schwarzen Block zur Mäßigung rief und diesen ebenso wie die Polizei scharf für ihr Verhalten kritisierte, haben sie dankenswerterweise die fehlende Unterstützung durch die friedlichen Demonstranten endlich erkannt und sich zurückgezogen.

“Der Preis für Freiheit ist ewige Wachsamkeit”
Mir ist unklar, warum die friedliche Demo den kostspieligen Einsatz eines Polizeihubschraubers notwendig machte, der lautstark über den Demonstranten schwebte.
Ehrlich gesagt frage ich mich, weswegen man als Demonstration… Demonstrationsveranstalter… Demonstrationsteilnehmer [Plural] schwarze Blöcke nicht schlicht auskesseln kann?
Schon klar, aus moralischen Gründen mag man ihnen zugestehen, dass sie sich vermummen wollen. Da solche Blöcke nun aber schon mehrfach durch Randale negativ aufgefallen sind, finde ich, wäre richtig, sie in Demos schlicht zu ächten und nicht in den Demonstrationszug hineinlassen.
Klar können sie ihre eigene Demo machen oder sich an den Zug dranhängen oder vorneweg laufen, aber rein muss man sie doch nicht lassen, oder? — Da ist mir doch ein Gerangel mit Schwarzblöcklern lieber als das x-fach größere Theater alternativ mit der Polizei.
[...] Hanno’s Blog: “Der doofe Block” [über die Provokateure der Rangeleien - auf Seiten der Demonstranten und der Staatsmacht] [...]
I´m not amused about Überwachungsstaat.
http://ostprinzessin.de/bz/2007/09/25/i%c2%b4m-still-not-amused
[...] worum es auf themenbezogenen Demonstrationen geht. Sehr schön zu lesen ist beispielsweise der Bericht von Hanno zur Demo in Berlin. Ein Zitat aus Hannos Bericht: Ein Redner rief von seinem Lautsprecherwagen aus eine Serie von [...]
Der schwarze Block und ich…
Gestern schrieb ich über meine Erfahrungen und meine Meinung zur Polizei, heute sind die Autonomen vom so genannten schwarzen Block dran.
Meine ersten Erfahrungen mit diesen Leuten machte ich auf einer Demo irgendwann in den 80ern. Ich weiß nicht …