Mein Nerdlobbyismus hat inzwischen ein erstes kleines Medienecho bewirkt.
Vorgestern luden mich zu dem Thema das Mädel und die Jungs vom Nerdalert zum Hamburger Freien Sender Kombinat ein.
Der Nerdalert wurde dieses Mal vorproduziert, weil sie zum Sendetermin beim CCC-Camp sein werden. Hier also schon vorab die Nerdalert-August-Ausgabe im OGG-Format, inklusiver vieler ähs und najas. Ich hoffe, es ist interessant und wir erzählen nicht zuviel Unsinn…

Das FSK HH ist eine Art Bürgerfunk – nur besser. Die Inhalte sind bunt, die Musiksendungen sind super, die Wortsendungen manchmal auch eher anstrengend. (Ich erinnere mich mit Grausen an eine Sendung, für die ein Sprecher aus der Raumecke heraus mit mehreren Metern Abstand zum Mikrofon 30 Minuten lang linkspolitische Agitation monoton vom Blatt abgelesen hat…)
1998 war ich während meines Studiums dort in der Musikredaktion aktiv und machte mehrere Sendungen über A Cappella Musik namens “Mundfunk”. Danach hatte ich aber den Kontakt zum FSK verloren und freute mich, ein paar alte Gesichter wiederzusehen. Beim Besuch stellte sich außerdem heraus, dass sich auch mehrere der anderen Nerdalert-Nerds und ich vor Jahren schon einmal in der Hamburger IT-Branche über den Weg gelaufen sind. Die Welt ist klein.
In der Sendung kommt als Thema auch vor, dass der Protest der IT-Welt gegen politische Entscheidungen oft nur innerhalb der IT-Welt verbleibt und kaum daraus herausgeht. Online-Nachrichten, Heise Ticker, Blogs, Foren – die Diskussion über Wahlcomputer, Online-Durchsuchung, Vorratsdatenspeicherung, Hackerparagraphen usw. wird dort zwar laut und kontrovers geführt, bleibt aber unter sich.
Insofern ist es ganz passend, dass es einen sehr wohlwollenden Artikel in der TAZ Online-Ausgabe gab und auch Spiegel Online kurz berichtete – aber, wie die TAZ es euphemistisch nannte, “exklusiv in der Online-Ausgabe” wo wieder nur wir Nerds es lesen und uns gegenseitig unseren Standpunkt bestätigen.
So sagen wir uns alle gegenseitig immer wieder, dass und warum wir dagegen sind, und wenn die Politik dann z.B. trotzdem einen untauglichen Hackerparagraphen entscheidet, staunen wir darüber, weil doch “alle dagegen waren”. Eine Selbsttäuschung, denn in der breiten Öffentlichkeit der Nicht-Nerds kommen unsere Themen kaum vor.
Keine Ahnung, wie man das ändern kann. Es ist auch ein Generationsproblem. Der Anteil der Menschen mit Computerkenntnissen in der Bevölkerung wächst und damit hoffentlich auch die Sensibilität für die Nerd-Themen. Kommende Politikergenerationen werden mit IT aufgewachsen sein und ich hoffe dann auf mehr Sachkenntnis. So, wie heute im Parlament Menschen sitzen, die in ihrer Jugend Motoroller frisiert und Joints probiert haben, werden künftige Politiker als Jugendliche Filesharing und CD-Brenner benutzt und schlimme Killer-Egoshooter gespielt haben.
Mal sehen, ob dann solche Diskussionen etwas weniger hysterisch geführt werden.
Der Mix liegt unter: http://www.wigbels.de/djaegs_mix.mp3
Vielen Dank fuer die Teilnahme an diesem interessanten Interview. Ich habe noch eine Stunde zu hoeren… Aber ist auf jeden Fall sehr interessant der Bericht und dein Ansatz!
@Norbert: Ich habe extra via nyud verlinkt, damit Eure Server etwas Traffic sparen.
Ah, ich dachte das waere ein copyNpaste-Fehler. Kannte ich noch gar nicht. Guter Tip(p).
Danke! Transfervolumen ist aber ausreichend vorhanden:-)
Ja, sehe ich ähnlich (siehe oben verlinkte Seite). Wie man sich in der Kneipe an der Ecke stetig rückversichert wie richtig $Gegenübers Standpunkt ist, so ist vielleicht das gesamte (deutschsprachige) Web auch nichts anderes als einzige große Stammtischkneipe.
ah, dann war es doch richtig, dass greenpeace ihr magazin über lidl vertrieben und mit BILD zusammen gearbeitet hat…
(wer ironie findet, darf sie behalten)
achja, zum thema blogs und politik: http://www.media-ocean.de/2007/08/02/videocast-demokratie-20/
Erfahrungen mit der Demokratie…
In Privacy-Lobyyismus für Anfänger berichtet Patrick Breyer von den Erfahrungen, die Hanno Zulla unlängst auch in einem Interview vortrug. Hanno hatte sich an Abgeordnete aus seiner Umgebung gewandt und sich als Gesprächspartner zu Themen angeboten…