“Es war eine Horrorshow.” “Einfach nur widerwärtig.”
Zitate von Abgeordneten, lt. Spiegel, Ausgabe 27/2007, Seite 33.
Inzwischen konnte ich mit einem Zuschauer des BKA-Vortrags für die Parlamentarier über diese Horrorshow sprechen. Sein Bericht war sehr aufschlussreich und erklärt auch einige Erfahrungen bei meinen Politikergesprächen.

Eingeladen waren die Mitglieder des Innenausschusses. Der Vortrag bestand aus drei Abschnitten:
- Schockierende Fälle: Drastische Videos von Folter, Kindesmissbrauch und Mord, dazu drastische Websites zu Drogen, Bombenbauanleitungen u.ä. Mein Gesprächspartner fasste diesen ersten Abschnitt sarkastisch so zusammen: “Die Botschaft an jene Parlamentarier ohne Online-Kenntnisse war: Das Internet ist böse.” Diese Botschaft sei auch angekommen.
- Wie funktioniert Online-Kriminalität? Ein Kurzabriss typischer Fälle, u.a. Botnetze, DDOS, Trojaner, Man-In-The-Middle, Pharming, Phishing, Finanzagenten.
- Welche erweiterten Möglichkeiten wünscht sich das BKA? Dabei wurde auch die Online-Durchsuchung und deren Funktionsweise vorgestellt.
Es wurde im Vortrag nie konkret gesagt: Die Online-Durchsuchung wird die eben gezeigten schockierenden Fälle verhindern. (Und das kann sie ja auch nicht. Es ist schon fraglich, ob die Online-Durchsuchung signifikant zur Aufklärung beitragen kann.)
Mein Gesprächspartner ist sich aber sicher, dass genau diese Schlussfolgerung durch den rethorischen Aufbau des Vortrags vermittelt werden sollte.
Es gab außerdem eine klaffende Lücke im Vortrag: Einerseits wurde im 2. Abschnitt auf aktuell stattfindende Kriminalität mit Hilfe von Trojanern hingewiesen und mehrfach betont, dass man sich davor adäquat schützen könne, andererseits soll die Online-Durchsuchung – die einen solchen Trojaner verwendet – funktionieren? Diese Argumentationslücke wurde aber von den meisten Zuschauern aufgrund fehlender IT-Kenntnisse nicht bemerkt.
Die Beschreibung meines Gesprächspartners deckt sich mit dem, was mir eine Mitarbeiterin eines CDU-Parlamentariers vor drei Wochen als Antwort zum Thema Online-Durchsuchung per Mail schrieb und danach am Telefon sagte: Sie nannte die in den ersten beiden Abschnitten beschriebenen Verbrechen als Begründungen, warum das BKA neue Kompetenzen benötigt: “Wir haben grauenhafte Fakten!”
Sie war merklich schockiert. Bei ihr hatte die Dramaturgie des Vortrags also genau wie gewünscht gewirkt.
Ich zweifle nach wie vor daran, dass die Polizei Online-Durchsuchung und Vorratsdatenspeicherung benötigt, denn die vorhandenen Gesetze erscheinen mir ausreichend, das Wissen über das Internet bei Justiz, Ermittlern (und Gesetzgebern) jedoch nicht.
Für 0,006% höhere Aufklärungsquote ein massiver Eingriff in die Privatsphäre aller Bundesbürger und immense Kosten für die deutsche IT-Branche? Für “weniger als 20 Fälle im Jahr” eine Grundgesetzänderung?
Hochkomplizierte Ermittlungsmethoden, die nur ein paar Fachleute nutzen können und von Richtern nicht verstanden werden, die aber schwerwiegende Missbrauchsmöglichkeiten bieten. Und gleichzeitig wird bei Polizei und Justiz an der Ausstattung gespart und Personal abgebaut.
Als ehrenamtlicher Handelsrichter habe ich einen kleinen Einblick in die Zustände innerhalb der Justiz erhalten. Der Respekt für Richter steigt immens, wenn man selbst erlebt, mit welch armseligen Arbeitsmitteln sie ihren Job erfüllen. Ich habe auch gelegentlich mit der Polizei im Zusammenhang mit Online-Kriminalität zu tun, wenn ich die Logs eines Vorfalls auswerte und an die Ermittler weiterleite. Bei allem Respekt vor deren Bemühungen: Man erlebt dabei nur selten tiefergehende IT-Kompetenz und wünscht sich, dass man den ermittelnden Beamten weniger erklären müsste, damit sie ihre wichtige Arbeit erfüllen können. Wie sollen sie den Verdächtigen einer Online-Straftat korrekt behandeln, wenn Justiz und Polizei nicht wirklich verstehen, was sie da vor sich haben?
Warum fordert das BKA also statt neuer Hightech-Spielzeuge nicht das offensichtliche?
Mehr Personal, bessere Ausstattung, bessere IT-Ausbildung für Ermittler und Justiz.
Nachtrag: Ein Artikel im aktuellen Spiegel bestätigt den Eindruck über den Zustand der Polizei.
Disclaimer: Dies ist ein Bericht aus zweiter Hand. Ich nehme gerne weitere Informationen und Korrekturen an.
[...] und echten Hinrichtungen gezeigt. Das fiel mir nur grade wieder ein, als ich folgenden Beitrag las: Die Dramaturgie der BKA-Horrorshow: Ein Bericht/ Da sollte man sich vielleicht mal Gedanken darüber machen wie schön man doch Leute manipulieren [...]
Was machst Du eigentlich sonst noch so alles?
Deckt sich übrigens alles auch mit meinen Erfahrungen in Berlin. Schlimmes, was da argumetativ und offensiv vorbereitet wird, diese Tage.
Hm, dabei kommt mir der Gedanke, dass man das Pferd wohl von hinten aufzäumen müsste: anstatt seinem Abgeordneten Briefe zu schreiben, die dieser ohnehin weder versteht noch beachtet, sollte man als ITler dem lokalen Polizeirevier einen Besuch abstatten und denen eine kostenlose IT Schulung anbieten. Das wäre sozusagen echte Lobbyarbeit für den Erhalt der Demokratie.
[...] BKA Horrorshow, oder warum so viele Abgeordnete niemals Internet haben möchten! http://www.hanno.de/blog/2007/07/20/die-dramaturgie-der-bka-horrorshow-ein-bericht/ [...]
How the BKA (German FBI) pushes online search and seize with shock and fear…
Hanno writes on his blog about the recent shock-and-awe approach of Germany’s equivalent to the FBI, the BKA , to push ridiculous new empowerments.
The BKA invited members of the Innenausschuss (German Wikipedia entry) a permanent committee of the …
[...] – blog.suedstadtanwaelte.de – volkszertreter.das-grauen.com – blog.kairaven.de – spackmat.de – hanno.de – duke.de – recht-gebloggt.de – kamikaze-demokratie.de [...]
[...] – blog.suedstadtanwaelte.de – volkszertreter.das-grauen.com – blog.kairaven.de – spackmat.de – hanno.de – duke.de – recht-gebloggt.de – kamikaze-demokratie.de [...]
Außerhalb des Strafrechts…
Heribert Prantl schreibt in der Süddeutschen: Der Staat baut sein Sicherheitssystem nunmehr vor allem jenseits des Strafrechts aus, weil dort dessen strenge Prinzipien zum Schutz des womöglich unschuldigen Individuums nicht gelten und weil dort Recht…
[...] Weiterlesen bei Hanno. [...]
Warum Schäuble Geld für den Trojaner statt für Fortbildung usw. fordert? Weil sich der Trojaner besser “verkauft”.
Der neoliberale Staat hat das Problem, daß er die soziale Sicherheit nicht mehr gewährleisten kann, aber trotzdem eine Existenzberechtigung braucht. Da bleibt dann nur noch die “Sicherheit” vor (imaginären) inneren und äußeren Gefahren als Daseinsberechtigung.
Und ein Bundestrojaner ist einfacher zu verkaufen als “Mehr Personal, bessere Ausstattung, bessere IT-Ausbildung für Ermittler und Justiz.” (think BLÖD). Merkle et.al. wissen genau, was sie tun.
Presseschau - 23.o7.2oo7…
Der überzogene Einsatz der Bundeswehr in Heiligendamm während der G8-Proteste Anfang Juni 2007 offenbart immer mehr die völlige Entgleisung jeglicher rechtsstaatlicher Kontrolle. So hat offenbar ein Polizist die Luftwaffe angefordert:
Mecklenburg-…
Ich hatte mal den Ziercke bei einem Fachgespräch im Bundestag mitgebloggt: Grünes Fachgespräch zu „Bürgerrechtsschutz im digitalen Zeitalter“. Da gabs eine ähnliche Dramaturgie. Besonders berühmt für sowas ist ja die Firma Pan AMP. Die scheinen die eindruckvollsten Horrorshows zu haben.
@12: Unter http://www.gruene-bundestag.de/cms/publikationen/dokbin/190/190364.pdf ist jetzt die Vollmitschrift zu finden.
(…) Denn das die Polizei und vor allem auch die politischen Entscheidungsträger, sich in der Materie Internet und elektronische Sicherheit nicht auskennen, führt dazu, daß sie Fehlentscheidungen zu Lasten der “braven” Bürger treffen, wie in HannosBlog sehr einleuchtend beschrieben ist. (…)
[...] genauso geht wie mir. Vielleicht sogar noch schlechter, weil sie die technischen Realitäten nur vom Hörensagen kennen und höchstens dreimal jährlich das Internet [...]
[...] hanno.de [...]
[...] BKA-Horrorshow [...]
[...] diese etwas pauschale Sicht danach noch präzisiert hat, am Ende fügt sich das wunderbar zur kleinen Horrorshow, die das BKA in Sachen Internet neulich aufgeführt hat. Und damit schließt sich der Kreis und wir [...]
Bundestrojaner per Hardware abschalten – Leicht gemacht !!!
Material: ein Life-Betriebssystem und ein USB-Stick oder eine SD-Karte etc.
Ein Life-Betriebssystem ist ein Betriebssystem, das ganz von CD und RAM-Speicher ganz ohne Festplatte laeuft.
Life-Betriebssysteme gibt es in vielen Varianten.
So zum Beispiel das Linuxsystem Knoppix (auch Debian oder Kanotix moeglich). Je neuer desto Hardware-vertraeglicher (Hardware-Liste z.B bei der Suse-Linux-Webpage nachsehen).
(Manche Computer funktionieren mit KNOPPIX nur mit der Boot.-Option “Framebuffer” eigentlich nur fuer Notebooks gedacht – z. B. einfach nur fb1024×768 eintippen)
Auch Bart PE (von c’t , com ! usw.) kann aus Bill Gates Betriebssystem XP ein vollstÀndig auf CD lauffaehiges Betriebssystem machen. (Modem-Treiber einbinden nicht vergessen !!!)
Klemmt man die die Festplatte bei ausgeschalteten Rechner einfach ab (Busleitung: Flachbandkabel herusziehen) kann auch nicht auf sie zugegriffen werden. Selbst schon eingeschleuste Trojaner koennen nichts mehr herausschmuggeln.
Die Wechselspeichermedien (USB-Stick usw.) koennen bei jedem neuen Internet-Zugriff mit dem Programm ERASER mit Zufallszahlen mehrfach Ueberschrieben werden.
(Blosses “loeschen” ist ja nur ein Austrag aus Reservierungsliste des Dateisystems – zum Ueberschreiben freigegeben, aber noch nicht verschwunden).
Sabotageviren koennen mit staendigen brennen von wichtigen Daten auf NICHT wieder beschreibbaren CDs (CD-R nicht CD-RW) in ihrer Zerstoerungskraft erheblich gemindert werden.
Noch besser sind zwei saeuberlich getrennte Computer :
Nur-Privat-Computer und Nur-Internet-Computer (letzterer am Besten ohne Festplatte).
So scheitert der Schaeublevorstoss einer flaechendeckenden Computer-Bespitzelung gleich im Ansatz – mit einem simplen technischen Kniff.
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