Uwe Kolmey, Direktor des LKA Niedersachsen, begründet Maßnahmen wie die Online-Durchsuchung mit einem dramatischen Anstieg der Kinderpornografie :
Kolmey skizzierte zum Einstieg die allgemeine Nutzung des Internets in Deutschland und wandte sich dann nach kurzer Erwähnung des Sasser-Falles der Kinderpornografie zu, die trotz einer Aufklärungsquote von 90 Prozent zu den beunruhigendsten Delikten in Niedersachsen zähle. Registrierte seine Behörde im Jahre 1995 ganze 58 Fälle, in denen Bürger des Bundeslandes kinderpornografisches Material ins Internet stellten oder konsumierten, konnten die Ermittler im Jahre 2006 erschreckende 513 entdeckte Einzelfälle zählen.
1995 gab es noch kein 56k-Modem, geschweige denn DSL. Windows 95 war neu. Internet-Zugang konnte ich mir damals nur dank der Universität leisten.
Es gab so wenige Haushalte mit Internet-Anschluss, dass das statistische Bundesamt diese noch nicht einmal systematisch erfasste*. Das begann erst 1998 – damals hatten 8,1% der deutschen Haushalte Zugang zum Internet, 2006 waren es 61%. Lt. weniger sicheren Quellen hatten 1995 ca. 3% der deutschen Haushalte einen Internet-Anschluss, was mir auch realistisch erscheint.
Wir haben also zwischen 1995 und 2006 einen (sehr grob geschätzt) 20x höheren Anteil von Internet-Anschlüssen in deutschen Privathaushalten, während Herr Kolmey im gleichen Zeitraum einen Anstieg der Fälle von Kinderpornografie im Internet um den Faktor 9 beklagt.
Dramatische Zahlen, sicherlich. Die Polizei hat das Problem offensichtlich überhaupt nicht im Griff.
“BKA-Chef Ziercke hat davon gesprochen, dass 99,99 Prozent der Bevölkerung nicht von der Maßnahme betroffen sind. Ich würde weitergehen und sogar noch ‘ne 9 hinten dranhängen.”
0,001% der deutschen Bevölkerung sind mehr als 820 Menschen. Das sind immer noch mehr als die versprochenen weniger als 20 Fälle.
Statistik ist nicht einfach.
* Quelle: Auskunft des Statistischen Bundesamts
Tut mir leid, dich da enttäuschen zu müssen, aber 82.000 Menschen entsprechen einem Promille der Deutschen, also genau 0,1%. 0,001% entsprechen demnach 820 Bürgern, was aber immer noch um die 68mal so viele Bundesnetzschädlingsattacken wie die angepeilten ein Dutzend im Jahr wären. Nach obiger Annahmen würden in Deutschland um die 8,2 Mrd. Menschen leben
@calypso: Aua. Ja, Statistik ist nicht einfach. Gilt auch für mich. (Ich hab’s im Text korrigiert. Wie peinlich.)
Mir macht es eher Sorgen, dass bisher keiner auf die Idee gekommen ist, mal grob einen Wert auszurechnen, der sich mit den bisherigen 12-20 Durchsuchungen deckt. Das ist mit einem stinknormalen Taschenrechner in einer Minute gelöst (im Kopf auch, aber wir wollen ja nicht zu viel erwarten
): 99,99992%.
Und solche Leute, die nichtmal DAS zustande bringen, wollen so eine Cyberwanze aufziehen?