Vor einigen Tagen erhielt ich auf meinem Mobiltelefon überraschend einen Anruf von einem prominenten FDP-Mitglied, der auch Anwalt ist: “Wenn Sie auf diese Abmahnung bestehen wollen, werden wir das sportlich sehen. Dann feuern wir zurück. Das wird sehr teuer für Sie.”

Was war geschehen? Ein paar Tage zuvor erhielt ich eine Mail, die Blogger dazu aufforderte, auf den Wahlwerbespot der FDP Hamburg zu verlinken. Es stellte sich heraus, dass der Absender “Niklas Sörensen” nicht existierte. Eine von der FDP beauftragte Werbeagentur wollte “viral” für “Buzz” sorgen. Sowas nennt man Guerilla Marketing. Falsche Namen, werbende Blog-Kommentare und unverlangte Mail an Multiplikatoren gehören dabei zum üblichen Handwerkzeug.
Nun ist Spam, also Werbung per unverlangter Mail, illegal. Und wer mit falschen Absendern und erfundenen Fürsprechern für sich wirbt, kann nicht erwarten, dass die Botschaft authentisch rüberkommt. Schade, wenn eine Partei, die Recht und Gesetz propagiert, solche Wahlkampfmethoden verwendet.
Mein Anwalt hat Anfang letzter Woche als Antwort eine Abmahnung an die FDP Hamburg verschickt, was zu der oben zitierten, heftigen Reaktion führte. Die von der Partei beauftragte Kanzlei war besonnener und hat offenbar schnell erkannt, dass der Fall eindeutig war: Die FDP Hamburg hat die Abmahnung noch vor Fristablauf akzeptiert.
Es ist fast schade, dass die “sportliche” Reaktion ausblieb. Man hätte vor Gericht klären können, ob Spam- und/oder getarnte Wahlwerbung in dieser Form illegal ist und ob der Auftraggeber einer Guerilla-Marketing-Kampagne für das Verhalten seiner Agentur mithaftet. Zu dieser Grundsatzentscheidung ist es nun nicht gekommen. Juristisch gesehen hat die FDP keine Schuld eingestanden, sondern “nur” kleinlaut zugegeben, dass man diesen Streit lieber nicht ausfechten will.
Der Chef der erwähnten Werbeagentur hielt einst eine Rede vor Fachpublikum, aus der ein Zuhörer die Erkenntnis “Werbung muss perfide sein” ableitete. Auch eine Abmahnung wird andere Parteien künftig nicht davon abhalten, eine Wahlkampagne mit solchen “hoffentlich erwischt uns keiner”-Methoden zu führen. Aber da jeder Betroffene einzeln abmahnen kann, kann es zum teuren Bumerang werden.
Gut geführter viraler Wahlkampf kann spannend sein. Wie spannend das allerdings auch gehörig nach hinten losgehen kann, erfuhr die FDP in diesen, doch so wichtigen, Tagen per Abmahnung (mal anders herum). [..]
[...] Über die virale Spam-Attacke der FDP-Hamburg hatten wir vorletzte Woche ausführlich berichtet. Hanno Zulla hatte im Anschluss eine Abmahnung an die FDP-Hamburg geschickt, um im Optimalfall vor Gericht zu klären, ob die “getarnte Wahlwerbung in dieser Form illegal ist und ob der Auftraggeber einer Guerilla-Marketing-Kampagne für das Verhalten seiner Agentur mithaftet”. Darauf lässt man sich aber nicht ein und akzeptiert die Abmahnung. [...]
Wahlkampf: Agentur spammt Blogger an…
Die Hamburger FDP hat die Agentur Oysterbay engagiert, die nun Blogger anspammt und dafür einen GMX-Account verwendet. Die Agentur scheint nicht zu wissen, dass GMX in ausgehende Mails die einliefernde IP als Header mit ausgibt. Auch Blog-Kommentare w…
[...] Also gross und artig auch. Hanno hat die FDP Hamburg abgemahnt. [...]
Das tut richtig weh, das ganze. Nicht die Kritik, wohlgemerkt, sondern das plume und dummdreiste Vorgehen der Partei. Und ich bin Mitglied der FDP. Die Abmahnung tat not, sonst merken manche Altvordere in dieser Partei nicht, was man besser lassen sollte. Ich hoffe außerdem, dass man siche per Zivilklage diese überaus dämliche Agentur vorknöpft. So was hat die Welt leider schon zu oft gesehen.
Gute Aktion, Hanno.
FDP Hamburg vor der Wahl mit blauem Auge…
Es kann auch durchaus einmal anders herum scheppern, im berühmten Karton. Hanno.de verstand jedenfalls keinen Spaß, als man ihn mit einer „politisch-spamigen“ Mail voll trötete und ließ den Rest seinen Anwalt erledig…
Wo hört virales Marketing auf und wo beginnt das Spamming. Das wollte Hanno von der Hamburger FDP wissen, nachdem sie ihn unaufgefordert als Virenschleuder nutzen wollte.
Die Geschichte einer Abmahnung, mal anders herum…
Die Drohung des prominenten FDP-Politikers wäre natürlich noch eine interessante Sache, mit der man ggf. noch etwas anfangen könnte. Spaß hätte das gemacht, wenn tatsächlich eine entsprechende Reaktion losgegangen wäre. Als ob sie nicht schon genug gestraft mit dem Wahlwerbespot sind.
[...] „Herr Du Mont!“ [...]
[..] Die FDP wollte virale Werbung in Blogs schalten und hat dabei falsche Angaben zur Identität gemacht. So geht das nicht. [..]
[...] Das macht sie natürlich sehr sympathisch. [...]
…herrlich….
Schade, dass die freien Opportunisten
nicht kopfloser reagiert haben.
- Linkedregierung.
Eigentlich sollte man viel mehr Leute aus diesem Grund abmahnen… schade nur, dass der Verursacher meist nicht so offensichtlich ist und vor allem auch ziemlich oft im Ausland sitzt.
Leider wissen auch die wenigsten Leute über ihre Rechte bescheid, sowas könnte man sicher auch prima als Quelle für die ein oder andere Nebeneinnahme verwenden. Eine neue Beschäfftigung für Harz4-Empfänger?
Gratulation für den zivilen Mut! Etwas erschüttert bin ich wegen des “sportlichen” Anrufs. Ich gehöre nun wirklich nicht zu denen, die gegenüber der FDP Hamburg positiv eingestellt wären – aber eine derartige Reaktion erschien mir bislang undenkbar. Unglaublich. An Stelle des FDP-Landesvorstandes würde ich ein offizielles Entschuldigungsschreiben verfassen. Und zwar ganz fix.
Mein Vorkommentator weiss wovon er spricht, wenn es um Identitätsaneignung geht
Aber im Ernst: Deinem Kommentar
gebe ich als FDP-Mitglied uneingeschränkt recht, Kollege Zulla. Die Partei sollte sich unverzüglich von dieser Werbeagentur trennen.
Der Vorfall ist ein weiteres Beispiel, dass die FDP-Führung meilenweit vom eigenen Anspruch entfernt ist, die “Generation Internet” zu vertreten. Zumal die Juli-Nordlichter schon mal weiter waren, mit Provo-Marketing
Achim Hecht, ich wäre als “Liberaler”, für den Du Dich hältst, an Deiner Stelle vorsichtig bzw. sogar demütig mit Deinen Behauptungen, zumal Du in der Vergangenheit bei der Bedrohung politisch missliebiger Blogger mitgewirkt hast. Lass es gut sein – unser Privattwist hat hier nichts zu suchen. Dass wir uns beide politisch nicht bzw. nur wenig schätzen: Das dürfte für den Rest der Leser hier völlig uninteressant sein.
Ich finde, dass der Link oben genau in dem Zusammenhang einer Diskussion um Spam-Aktivitäten unter Fake-Identitäten *durchaus* interessant ist. Und, “Dr. Dean”, haben Sie’s immer noch nicht gemerkt: Drohungen aus der Anonymität heraus funktionieren nicht.
Un”demütigst”, Achim Hecht
[...] anfängt Amok zu laufen und einem plötzlich frontal entgegenkommt? Dann machen sich nicht nur ein paar Blogger darüber lustig, sondern dann lädt sich irgendein kreativer Kopf den Clip runter, legt seine eigene Tonspur [...]
Ich habe diese Mail am 07. Februar bekommen. Ich habe mir das peinliche Filmchen angesehen, mit dem Kopf geschüttelt und die E-Mail in mein Kuriositätenkabinett gelegt. Ich hätte sie auch nach /dev/null senden können. Sie wäre mir aber nie eine Antwort wert gewesen.
Diese Abmahnung finde ich deshalb genauso peinlich. Blogger sind doch keine Rentner, die den ganzen Tag am Fenster stehen und Zwei-Minuten-Falschparker denunzieren. Blogger sollten andere Mittel als die Abmahnungskeule einsetzen: wir können diesen Vorgang der Lächerlichkeit preisgeben und den Urhebern mit kreativem Protest begegnen. Das wäre angemessen. Abmahnen haben wir nicht nötig.
[...] Dass es auch Abmahnungen gibt, mit Sinn und Verstand und nicht um sagenwirmal des kochens willens, lesen wir hier. [...]
Virales Eigentor bei der FDP Hamburg…
Kurz vor dem Ende des Hamburger Wahlkampfes musste die FDP in der Hansestadt schlechte Erfahrungen mit dem Versuch machen, ein Video viral zu verbreiten. Die Hamburger Werbeagentur Oysterbay war anscheinend von der FDP dazu beauftragt worden, eine Art …
@Stefanolix
Dein Argument “Blogger sind keine Rentner…” bedeutet in letzter Konsequenz, dass man Werbedreck zwar ablehnen darf, aber sich nicht weiter dagegen wehren sollte.
Ich bin Leuten wie Hanno Zulla für ihre Courage dankbar, auch, weil es dabei hilft, dass es in Zukunft etwas weniger Spamdreck gibt. Die FDP Hamburg wird sich so eine Aktion kaum ein zweites Mal leisten können.
Eine andere Sache ist es, dass es (hier vertraue ich Hanno Zulla) mehr oder minder unterschwellige Drohungen von FDP-Seite gegen ihn gab. Von wegen “sportlich”. Bloggende FDP-Aktivisten finden es jedoch anscheindend bedenklicher, dass Hanno sich mit einer Abmahnung zur Wehr gesetzt hat.
Sagt mal, geht es euch noch gut?
Kein Plural, bitte. Ich habe meine persönliche Meinung dargestellt. Über jede couragierte Aktion außer Abmahnung und Anzeige kann man mit mir reden; witzige Aktionen finde ich sowieso in Ordnung. Meine Meinung zum Spot habe ich gesagt.
Man bekommt am Tag manchmal tausend Spam-Sendungen. Es kann mir niemand erzählen, dass er jeden greifbaren Absender abmahnen lässt. Hier wird einfach die Verhältnismäßigkeit der Mittel nicht gewahrt. Als Blogger regen wir uns auch auf, wenn jemand die Abmahnkeule schwingt, ohne vorher eine gütliche Einigung zu versuchen.
Verhältnismäßig wäre: ich verwende mein Blog für einen offenen Brief und mache diese Aktion so bekannt wie möglich. Oder: ich antworte dem Absender mit der Aufforderung, solches zu unterlassen.
Stef, bist Du eigentlich wirklich “bloggender FDP-Aktivist”? (Oder war das nur wieder so eine manipulative Projektion unseres trolloiden Mit-Kommentatoren?) Fiel mir jedenfalls als “bekennendem Liberalen” bisher gar nicht so auf
Ich kenne auch, ehrlich gesagt, niemand in meiner Partei der die Aktion nicht PANNE findet. Meine persönliche Meinung dazu hab ich ja beim A’Team geäussert. Die Abmahnung würde ich im Übrigen nicht so kritisch sehen: sie ist hart verdient und sicher wollte Kulla der FDP-HH nur helfen – “operante Konditionierung” heisst das fachlich korrekt. Ein sehr effektives Verfahren, um Lernfortschritte zu erreichen!
Genau. Die einzig sinnvolle “gütliche Einigung” ist erfolgt: Die FDP Hamburg unterlässt in Zukunft das Spammen.
Dank der Abmahnung.
(ich möchte aber nicht ausschließen, lieber stefanolix, dass Dein “offener Brief” ähnlich wirkungsvoll gewesen wäre – aber, Verzeihung, ich halte dies für extrem unwahrscheinlich, völlig egal, wie gut Deine Formulierungskunst beim Briefeschreiben auch ausfallen mag.)
Im Übrigen tut eine Abmahnung der FDP Hamburg nicht weh.
Wenn FDP-Anwälte als Regierungspartner z.B. auf dem Wege der notariellen Begleitung von staatlichen Vertragsunterschriften gute und sehr gute Einnahmen erzielen (und: das tun sie), dann wird die FDP Hamburg wegen einer einzelnen Abmahnung schwerlich eine finanzielle Krise erleiden.
Und, Stefanolix, Deinen “offenen Brief” möchte ich sehen, welcher bei der FDP Hamburg Wirkung erzielt. Mit Verlaub, ich glaube, Deine Haltung ist an dieser Stelle etwas naiv.
Wie findest Du eigentlich die – beinahe schon enthemmt liberal zu nennende – “sportliche” Drohung gegen Hanno? Na?
So gaaanz unterlassen sie das Spammen anscheinend doch nicht: Ich hatte heute einen Brief in der Post: von Sky du Mont, Hans Ole Henkel u.a. “persoenlich”, also offiziell gar nicht von der FDP.
Das absendende Quartett nennt sich “Wir fuer Hamburg” und empfiehlt mir am Sonntag “Gelb” auf dem gelben Stimmzettel zu waehlen.
Klingt fast wie eine Kampagne aus gleichem Hause..
Sehr schön!
Als Fußballfan hätte mich die sportliche Reaktion auch interessiert
[...] herumspammen liess, um auf ein virales Video des Kandidaten Hinnerk Fock hinzuweisen. Letzendlich kassierte die Hamburger FDP dafür eine Abmahnung – so kann Onlinemarketing nach hinten losgehen, wenn man schlecht beraten [...]
Frage an die Experten: Wie sieht es aus mit so genannten “Wahlempfehlungen”?
Weil hier in München am Sonntag Kommunal- und OB-Wahl ist, bekam ich per Mail (ungefragt und ohne zu wissen, woher der Absender wohl meine Adresse hat) eine Einladung zu einer öffentlichen Diskussionsrunde mit den OB-Kandidaten. Alles schön überparteilich bis hierhin. Dazu gab es im Anhang ein pdf mit der Empfehlung, schwarz-gelb zu wählen. Eine Anleitung, wie man da am besten stimmt, war auch gleich dabei. Absender ist ein eingetragener Verein, der sich “für Mobilität in dieser Stadt und in diesem Land” engagiert.
Spielt es eine Rolle, ob der Absender offenkundig von einer Partei beauftragt wurde (wie im Fall der Hamburger FDP)? Oder darf auch ein unabhängiger, gemeinnütziger Verein keinerlei Wahlempfehlung versenden?
Viele Grüße!
[...] Ganz grundsätzlich kann man sagen: Im digitalen Zeitalter können Dokumente milliardenfach kopiert und an fern versteckten Orten online gestellt werden. Was einmal im Netz ist, wird sich nicht wieder einholen lassen. Ein schönes Beispiel aus dem Hamburger Landtagswahlkampf: Hinnerk Fock und SkyDumont. [...]