Das Hamburger Abendblatt hat am Dienstag alle Wahllokal-Ergebnisse abgedruckt – und die Ergebnisse zweier Parteien vertauscht gelistet. Heute schreibt die Redaktion:
“Eine Bitte um Entschuldigung: [..] Diesmal haben wir die Daten nicht per Hand, sondern über eine Software eingelesen. Und was passiert? Da, wo GAL in der Liste steht, tauchen die Prozentzahlen der FDP auf – und umgekehrt. [..] Unsere Leser können wir nur um Entschuldigung bitten.”
Leider eine lahme Ausrede, denn die Abendblatt-Redaktion verwendet seit sehr vielen Jahren ein vollständig EDV-gestütztes Redaktionssystem, irgendwo ist also immer eine Software zwischen Redakteur und Zeitungspapier. (Kaum zu glauben, dass die Zahlenkolonnen noch bei der letzten Wahl von Hand übertragen wurden.) Vermutlich hat da also nur jemand die Software falsch bedient, anschließend hat’s niemand geprüft und jetzt schiebt man es auf “die Software”.
Indirekt hat das wieder mit dem Thema Wahlcomputer zu tun: Wahlhelfer müssen (und werden) einem Computer blind vertrauen, dass der schon alles richtig zählt. Nachdenken müssen, Nachprüfen können Wahlhelfer dann nicht mehr.
“Alles, was danach passiert, ist eine black box. Natürlich muss der Computer ‘nur noch’ addieren, aber für die Wahlhelfer ist nicht auf einen Blick ersichtlich, ob ein ausgewerteter Stimmzettel korrekt den jeweiligen Parteien oder Kandidaten zugeordnet wird. Natürlich kann man im Kopf mitzählen und nach jedem zweiten Stimmzettel auf den Reiter der Ergebnisse gucken und schauen, ob diese noch passen. [..] Bei all diesen Kontrollen darf man nicht vergessen, dass der typische Computernutzer seinem Gerät vertraut. Er bekommt die Anweisung, nach einer Eingabe alles zu kontrollieren. Das macht er 20 Minuten lang. Spätestens dann glaubt er dem Computer, weil der macht immer das gleiche und hat ja eh immer Recht.”