Via Mail:
Betreff: FDP Wahlspot
Absender: n…@gmx.deHallo!
Kennst du schon den FDP-Wahlwerbespot für die Bürgerschaftswahlen in HH?
Wäre der nicht was für deinen Blog?”Viele Grüße,
N.
Der schlecht getarnte Absender: Die Hamburger Werbeagentur Oysterbay, deren Mitarbeiter sich selbst als Experten für Guerilla-Marketing bezeichnen. Wie geht Oysterbay vor? Sie suchen in Google nach Blogs, die das Thema Wahl in Hamburg erwähnen, und spammen danach die Autoren an. Aha. Wenn man als Marketingprofi so plump vorgehen kann und trotzdem dafür bezahlt wird, muss das ja eine Branche mit Zukunft sein.
Bei der FDP Hamburg mal nachgefragt, ob die dahinterstecken. Man weiß es selbst nicht so genau, aber der FDP-Mann erwidert:
“Kennen Sie das Stichwort ‘virales Marketing’?”
Ja, liebe FDP, und ich erkenne auch, wenn virales Marketing schlecht gemacht wird. Aber ich tue Euch den Gefallen und verlinke den Wahlwerbespot…
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=hYIxj0857yI]
…weil er so schlecht gemacht ist, dass man ihn gesehen haben muss, um es zu glauben. Die FDP gibt zur Bürgerschaftswahl 2008 keine gute Figur ab:
- ein absurder Populismus-Wahlkampf – die abstrusen Top-Themen der Hamburger FDP sind:
- kein Rauchverbot in Kneipen (“Freie Wahl für Gäste und Wirte”),
- kein Leinenzwang für Hunde (“Leinen los – Hunde nicht an Menschen fesseln”),
- keine City-Maut (“Hamburg bleibt Eintritt frei”),
- Schwarz-Grün verhindern (“Wer nicht wählt, wählt links”)
- eine Plakatkampagne mit einem Foto, auf dem der Spitzenkandidat wie ein Geriatriepatient ohne Gebiss aussieht
- und jetzt diese Parodie einer Wahlwerbung
Die für mich als Nerd brennenden Themen Datenschutz, Vorratsdatenspeicherung, Online-Durchsuchung, innere Sicherheit – alles klassische, liberale FDP-Themen. Leider sind diese offenbar so klassisch, dass die FDP sie schon lange zugunsten eines Daseins als Spaßpartei aufgegeben hat, mit gelben Fliegen, lustigen Synchronsprechern und Guido Westerwelle.
Was sagt es über die FDP aus, dass selbst Die Partei einen professionelleren Wahlkampf betreibt?
Nachtrag:
Die FDP Hamburg hat mir geschrieben.
“Die FDP hat tatsächlich die Werbeagentur Oysterbay für Marketingzwecke beauftragt,” aber die Agentur “nutzt nur legale Wege wie Youtube etc. für die Verbreitung von politischen Botschaften,” denn “eine Verbreitung des Werbespots über Email-SPAM-Verteiler ist in Deutschland nicht zulässig.”
Stimmt, es wäre ja auch voll tollpatschig, wenn man als Partei so vorgehen würde. Fragt sich nur, woher die gestrige Mail kommt, die lt. Mailheader vom Oysterbay-Büro aus verschickt wurde.
Nachtrag 2:
Oysterbay äußert sich bei politik-digital.de:
“[Der Absender war] gar keine reale Person, sondern nur ein Pseudonym. [Die Mail] ‘war deutlich als Wahlwerbung kenntlich gemacht.’ Auf die Frage, warum Oysterbay die Werbebotschaft unter einem Pseudonym über eine GMX-Adresse verschickte und nicht offiziell über eine E-Mail-Adresse der Agentur, antwortete Kemper: ‘Wenn Mails von einer Werbeagentur kommen, dann werden sie weggeklickt, mit einer GMX-Adresse haben wir mehr Chancen, da rein zu kommen.’”
Abgesehen davon, dass die Mail keinerlei Kenntlichmachung auf Wahlwerbung oder den Auftraggeber FDP enthielt: Es ist eine kommunikative Glanzleistung von Herrn Kemper, wie er hier erst erklärt, nicht zu spammen, aber dann erklärt, diese Mails bewusst mit falschen Absenderangaben abzusenden, weil man ja weiß, dass sie unerwünscht sind.
Also so funktioniert Guerilla-Marketing.
Nachtrag 3:
Die nicht reale Person schreibt auch Blog-Kommentare.
Nachtrag 4:
Die FDP hat die Abmahnung meines Anwalts akzeptiert.
Was ist denn daran viral, Herr Dumont?
JFTR: Der Name ist “Die PARTEI”, weils ein (rekursives) Apronym ist: Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative.
total viral, dieser werbespot. aber nicht so, wie erwünscht, denn alle berichten negativ über die fdp und ihre wahlkampfversuche.
[...] und nennt das dann “virales Marketing”. [...]
sky setzt halt auf siegertypen — mit an der spitze hat ja auch “das iteam” seine größten erfolge gefeiert.
Ich verwette meine 12 Wahlstimmen: Sky und Hinnerk Fock gehen zum selben Frisör.
Wenn er wenigstens das Lied aus der Super-Perforator-Werbung gesungen hätte …
So kommt es wirklich als Parodie auf einen Wahlspot rüber.
[...] Hannos Spaß mit einem FDP-Werbespot, der viral sein soll, angeblich, nur nicht offensichtlich
danach freue ich mich über einen [...]
Wenn “viral” bedeutet, dass einem schlecht wird – okay, dann ist das viral. Oder virulent?
Mich haben sie jedenfalls (zum Glück) nicht angeschrieben…
nicht, dass ich die fdp verteidigen möchte, aber was haben “Datenschutz, Vorratsdatenspeicherung, Online-Durchsuchung, innere Sicherheit” mit einer bürgerschaftswahl zu tun?
@Roland: Hast ja Recht, ich bin auch eher enttäuscht über die lahme Bundes-FDP, die sich in der noch lahmeren Hamburg-FDP nochmals äußert.
Allerdings hat die Hamburger Sicherheitspolitik unter der CDU einige seltsame Blüten hervorgebracht. Neben Fehlbesetzungen wie Schill und Kusch gibt es als aktuelle Themen z.B. die Statistikprobleme von Herrn Senator Lüdemann oder das merkwürdige Waffenverbot auf St. Pauli kurz vor der Bürgerschaftswahl.
Hier hätte eine liberale Partei gut nachhaken können. Dass die FDP nun ausgerechnet Hundeleinen und Zigaretten als zugkräftige Wahlkampfargumente hervorkramt, ist ganz einfach lächerlich.
Tja, dein Artikel ist jetzt bei Rivva gelandet, wird somit wohl recht häufig gelesen. Virales Ziel somit erreicht, Wahl der Waffen egal
Versucht sich der Hinnerk da an einem Zahnpastalächeln?
Warum zeigst du das Video dann?
[...] Unfreiwillger Höhepunkt des ganzen Wahlkampfs ist aber ein Spot mit Sky Dumont, Kommentar überflüssig. Diesen hat eine Hamburger Agentur versucht als Guerilla Spot in den Markt zu bringen, etwas unbeholfen (man hat das wohl zum ersten Mal gemacht), aber mit unfreiwilliger Aufmerksamkeit in der Blogosphäre. [...]
Ich sage nur: Für Hamburg im Bundestag – http://tinyurl.com/ypevx4
@Simon: Ich bin nicht der Meinung, dass in einem Wahlkampf schlechte Publicity hilft.
Wenn ein schlecht gemachter, aber publicity-trächtiger Wahlkampf das Ticket in den Hamburger Senat sichert, könnten PARTEI und Kusch ja schonmal ihre Posten verteilen. Zum Glück ist es nicht so einfach.
[...] er offenbar recht hat. Ich hab nämlich eben auf Rivva gesehen, dass das nun inzwischen durch einige Blogs geht und auch politik-digital berichtet nun [...]
[...] Man betraut einen Praktikanten mit der Aufgabe. [...]
Hanno, ja, es ist schlechte Publicity, und nein, es wird sich kein einziger Idiot finden lassen, der wegen diesem Video nun die FDP wählt, aber: du hast das Video gezeigt und damit genau das getan, was die von dir wollten.
Es mag gute und schlechte Presse geben, was es aber nicht gibt ist schlechte Aufmerksamkeit, denn die ist entweder da oder nicht und hier wird sie gerade generiert.
Ich gehe dann mal einen Trackback setzen.
Hm, habe das Video bei mir auch gerade wieder rausgenommen, wenn dann soll es hier in diesem kommentierten Umfeld gesehen werden. Aber Sky Dumont für sich polarisiert und Aufmerksamkeit hin oder her, wenn die FDP solche Spots braucht um auf Ihre politische Positionen aufmerksam zu machen, sagt das alles über den Zustand dieser Partei in Hamburg. Allen, denen ich es gezeigt habe, haben jedenfalls herzlich gelacht.
[...] Danke für den Hinweis. Peinlich. [...]
Komisch, bei uns im Parteibuch hat die Oysterbay es bisher gar nicht erst probiert. Vielleicht ahnen die da schon, dass das nur nach hinten los gehen kann. Bleibt die Frage: wen wählen in Hamburg?
Ole von Beust, der sagt, garantiert nie in Haralds Hotel gewesen zu sein, wobei jedoch auffällig ist, dass Ermittlungsakten geschwärzt wurden?
Ex-BND-Chef Schwiegersohn und nun Warburg Schwiegersohn Michael Naumann, der klagte, nicht Norddorf zu sein?
Stünde Al Capone in Hamburg zur Wahl, wäre das vermutlich die anständigere Alternative …
@10, Roland: “was haben “Datenschutz, Vorratsdatenspeicherung, Online-Durchsuchung, innere Sicherheitâ€? mit einer bürgerschaftswahl zu tun?”
Die Online-Durchsuchung, die vor dem Bundesverfassungsgericht verhandelt wird, beruht auf NRW-Landesrecht. Datenschutz, Online-Durchsuchung und innere Sicherheit sind keine rein bundeshoheitlichen Themen. Wenn man die Speicherung von Daten auf Vorrat weiter fast als zu Telekommunikation, z.B. auch das KFZ-Kennzeichen-Screening mit reinnimmt, dann findet man sich auch hier im Landesrecht wieder. Von einer liberalen Partei darf man solche Themen daher durchaus auch in einem Bürgerschaftswahlkampf erwarten.
Wahlkampf: Agentur spammt Blogger an…
Die Hamburger FDP hat die Agentur Oysterbay engagiert, die nun Blogger anspammt und dafür einen GMX-Account verwendet. Die Agentur scheint nicht zu wissen, dass GMX in ausgehende Mails die einliefernde IP als Header mit ausgibt. Auch Blog-Kommentare w…
Die Agentur-Guerillas spielen auch unter verschiedenen Namen bei der Abendblatt-Wahlbörse mit. Da sind die Spielregeln so, dass man durch Kauf und Verkauf die “Kurse” der Parteien beeinflusst. Täglich wird im Abendblatt der “Kurszettel” vom Abend vorher abgedruckt. Der sieht dann ähnlich aus wie eine aktuelle Umfrage. Hier steht die FDP schon lange deutlich über 7, manchmal sogar bei 8. Dem unbedarften Abendblatt-Leser suggeriert das: Die kommen rein! Also – soooo dilletantisch finde ich das nicht; ich glaube, da wird mit sehr geringen Mitteln ziemlich viel manipulative Wirkung erzeugt.
Es gibt keine negative Publicity – Hauptsache der Name ist richtig geschrieben. Schließlich braucht die F.D.P. ja nur 5 %, da reichen Randthemen aus.
Ich wusste nur noch nicht, das die FDP inzwischen auf eine Zielgruppe mit geringer Bildung zielt.
Ob die Geschichte aus der Blogsphäre auch die Printmedien aus der Springerspähre erreicht?
[...] wird da gepredigt, egal, ob für reanimierte D-Promis, in der Markenkommunikation oder bei der Wahlkampfwerbung. Im Gespräch zu bleiben ist alles, selbst wenn (oder gerade weil) die Machart des [...]
[...] …hat wohl die FDP Hamburg, oder die zuständige Agentur, oder beide. Schlecht gemachtes Werbevideo gebastelt und damit Blogger bespammt. Autsch! Das reicht leider nicht für eine virale Verbreitung, geschweige denn für eine Empfehlung, sondern lediglich für schlechte PR. Irgendwie komisch, dass immer wieder die Liberalen in letzter Minute solche Patzer hinlegen. [...]
[...] Als ich das damals las, dachte ich spontan, dass dahinter unmöglich die FDP Hamburg stecken könnte. [...]
[...] Im Web2.0 ist Transparenz oberstes Gebot. Wer nicht transparent handelt, wird schnell enttarnt. Und dann ist der Imageverlust größer als der Effekt der jeweiligen Maßnahme. Und: Das Netz vergisst nicht. [...]
Finde es sehr professionell und fair, wie hier die unseriöse Praxis der Agentur kritisiert wird. Ich bin selbst Mitglied der FDP und mir ist der Vorfall ausgesprochen peinlich. Das kann man nicht beschönigen, es war fahrlässig, sich in diesen Dingen einer Agentur anzuvertrauen, ohne sich eingehend über deren Arbeitsweisen zu informieren und diese kritisch zu hinterfragen.
Bei all der berechtigten Schelte, habe ich mich aber über die Posts gewundert, die klare Statements zum Thema Datenschutz seitens der FDP vermissen. Die FDP formuliert in Ihrem Kurzwahlprogramm drei Schwerpunktthemen: Mehr Arbeit. Mehr Bildung. Mehr Bürgerrechte. Das letzte wird wie folgt eingeleitet:
Ich hoffe ihr versteht diesen Eintrag als (selbst-)kritische Meinung und nicht als Spam.
Wahlkampf: So geht’s nicht… [...] Ob die Freidemokraten aus der Hansestadt selber der Meinung sind, dass Niklas Sörensen sympathischer rüberkommt als ihr Spitzenkandidat Hinnerk Fock, ist übrigens nicht bekannt. [...]
[...] ist Sky Dumont normalerweise nicht mal so schlecht). Das kommt davon, wenn man offensichtliche Agentur-Dilettanten engagiert, die von viralem Marketing augenscheinlich so viel Ahnung haben, wie die FDP vom [...]
[...] hat mich heute Abend sehr zum Schmunzeln gebracht [...]
Inspiriert von Deinem Blog hab ich mal die 2.0 version des Videos mit neuer Vertonung gemacht.
Steht auf YouTube. Wenn sie viral haben wollen, dann können sie es ja auch gerne bekommen
http://www.youtube.com/watch?v=KxSlNfYoJgA
Gruß,
xtraa
[...] auch noch zu lesen bei Hanno, Julia Seeliger (zeitrafferin.de) und bei [...]
hihihi, xtraa we love you
[...] Abmahnungen und allgemeinem gemeckere der Blogger über das “Virale Marketing” der FDP in Hamburg, ist die Kampagne genau [...]
Wie das Internet NICHT funktioniert…
“Hallo! Kennst du schon den FDP-Wahlwerbespot für die Bürgerschaftswahlen in HH? Wäre das nicht was für deinen Blog?”
So wurden in den letzten Tagen einige Blogger von einem gewissen “Niklas Sörensen” angeschrieben. Bei dem…
Die fehlende Internet-Kompetenz der CDU in Hamburg…
Das die FDP in Hamburg nicht gerade für ihr überragendes Internet-Verständnis bekannt ist, dürfte inzwischen schon die Runde gemacht haben. Die FDP hat sich dadurch nicht nur eine Abmahnung eingehandelt, sondern auch eine schön…
[...] die FDP nahm das Unheil seinen Lauf, als Hamburger IT-Unternehmer und Blogger Hanno Zulla von eine E-Mail von einem Niklas Sörensen erhielt, in dem dieser zur Bekanntmachung des Videos aufforderte. Zulla [...]
[...] ihren Segen für Schwarz-Grün in Hamburg gibt, habe ich gerade noch eine Kleinigkeit über die Wahlkampfpraktiken der FDP gefunden. Wie bei Hillary und Obama ist das Internet wohl noch nicht Wahlkampfmedium Nr.1, aber [...]
Bahn setzt auf Viral-Marketing…
Die Bahn hat ein "neues" und günstiges Marketing-Instrument entdeckt: Mundpropaganda oder Neu-Sprech Virales Marketing. Das klappt in der hoch vernetzten Internet-Welt natürlich hervorragend. Darktiger.org wurde ein streng geheimes …
Das Video gibts nicht mehr, mit dem Kommentar:
Dieses Video ist aufgrund des Urheberrechtsanspruchs von Freie Demokratische Partei Deutschlands (FDP) nicht mehr verfügbar.