
Vor einigen Wochen habe ich mir einen Hanvon N516 gekauft (bei EnWo, die das Gerät über Amazon und ebay anbieten). Er verwendet das derzeit auf den meisten E-Book Readern typische 600×800 E-Ink Display. Kaufgrund war neben der Neugier, E-Ink endlich einmal in der Praxis zu erleben, die Möglichkeit, auf dem Reader die Linux-Distribution OpenInkpot zu installieren.
E-Ink bzw. E-Paper ist faszinierend, aber noch nicht so gut, wie der jahrelange Hype um diese Technologie versprochen hatte. Die Schrift ist dunkelgrau auf hellgrau, nicht schwarz auf weiß. Das Schriftbild ist vergleichbar mit dem eines Laserdruckers mit leerem Toner auf ungebleichtem Recyclingpapier. Die Qualität reicht noch nicht an Zeitungsdruck heran. Je heller es ist, desto mehr Spaß macht es aber, auf dem Gerät zu lesen. Bei strahlendem Sonnenschein liest es sich tatsächlich so angenehm wie auf Papier, aber wann ist ein Nerd schon in der Sonne? Bei schummriger Beleuchtung wünscht man sich ein LCD zurück.
Zudem ist E-Ink prinzipbedingt quälend langsam. Eine flotte animierte Benutzeroberfläche oder Darstellung von S/W-Filmen: Unmöglich. Das ist beim Lesen von Texten auch kein Problem, aber wenn die Reaktion auf einen Tastendruck eine gefühlte Ewigkeit auf sich warten lässt, wünscht man sich manchmal doch etwas mehr Interaktivität bei der Verwendung eines E-Book-Readers.
Um Strom zu sparen, um eine lange Laufzeit zu erreichen und weil das Display ja eh schon so langsam ist, verwendet der N516 eine eher gemütliche CPU, was dann bei der Darstellung komplizierter PDF-Dokumente nicht weiterhilft. Dabei ist die N516-CPU bereits flotter als viele andere Reader auf dem Markt. Er wird mit einer 2GB-SD-Karte, einem Kopfhörer und einem praktischen Lederetui geliefert. Eine Auszeichnung für Produktdesign wird er mit seinem Plastikgehäuse nicht gewinnen, er ist weniger hässlich als der Kindle 1, aber noch nicht so schön wie Kindle 2.
Über OpenInkport durfte ich für LWN.net bereits schreiben: OpenInkpot: Free Software for E-Book Readers. Die alternative Firmware installiert sich schnell und ist eine deutliche Verbesserung gegenüber der vom Hersteller mitglieferten. Da ich keinen DRM-Content kaufen möchte, ist der Verlust der DRM-Funktionen nebensächlich. OI ist schnell, gut bedienbar und das Team hat sogar ein paar kleinere Anregungen einfach so mal eben implementiert.
Die langsame Hardware und das Display sind mit Textformaten wie EPUB kein Nachteil, weil diese kaum Rechenzeit benötigen. Weniger Spaß machen komplexere PDF-Dokumente, hier ist OI noch zu langsam. Die Entwickler wollen aber mittelfristig die PDF-Engine austauschen und haben noch weitere Ideen, wie man OI beschleunigen kann. Außerdem verleidet das kleine Display den Spaß an PDF-Dokumenten im Format A4, die Schrift wird dann zu klein und kaum lesbar.
Fazit: E-Book-Reader sind eigentlich immer noch zu teuer. Und die große versprochene Revolution des Lesens sind sie auch noch nicht. Aber sie sind praxistauglich, insbesondere mit an ihre Beschränkungen angepasste Dateiformate wie EPUB. Dokumente, die ich sonst am Bildschirm gelesen oder ausgedruckt hätte, lese ich jetzt unterwegs in der S-Bahn oder in Ruhe zu Hause. Die geringe Bildauflösung 600×800 ist für A4-PDF ein Problem, die geringe Geschwindigkeit erfordert ein Umgewöhnen. Einen OI-tauglichen Reader mit 1024x1280er-Display würde ich sofort kaufen.
P.S.: Es hatte seine eigene Ironie, diesen Verriss des Kindle und der E-Ink-Technologie auf dem N516 zu lesen.
Hallo,
ich interessiere mich auch für die Kombination N516 und OpenInkpot.
Da ich vor allem pdfs lesen moechte und Kommentare zu den pdfs hinzufügen moechte, wollte ich fragen, ob dies mit dieser Kombination moeglich ist.
Vielen Dank,
Marc
Man kann PDF-Dokumente damit lesen, aber es gibt keine Kommentarmöglichkeit.
Also PDF geht quälend langsam aber nur ohne zoom?
das wäre ärgerlich…..
@uv: Der Blog-Artikel ist schon etwas älter. Der PDF-Reader wurde inzwischen vom OpenInkpot-Team ersetzt und ist jetzt deutlich schneller, außerdem zoomt er automatisch auf die Seitengröße. Hier hat sich also einiges verbessert.
Habe das Ding geschenkt bekommen , ohne Zubehör aber mit OI .
Ganz ehrlich ? Ich finde das Ding sch….e ! Wird unter Winblöd nicht erkannt und die Anleitung von der Homepage ist auch nicht das gelbe vom Ei . Rote LED beim Laden ? Nicht vorhanden ! Und OI so toll ? QED – ich muß MP3 aufmachen um ein Buch zu lesen !
Aber man kann sich ja alles schön Reden . Das Ding ist ein Grund keinen weiteren zu kaufen oder trifft hier zu : Billig muß man sich leisten können ?
@Jörg
“ich muss MP3 aufmachen um ein Buch zu lesen” – wie meinen?