Sarrazin exklusiv vorab drucken.
Danach sein Buch verreißen.
Später lamentieren, dass ihm ein Forum geboten wird.
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Sarrazin exklusiv vorab drucken.
Danach sein Buch verreißen.
Später lamentieren, dass ihm ein Forum geboten wird.
Wäre ein Problem, wenn der SPIEGEL kein Nachrichtenmagazin wäre. Als Nachrichtenmagazin darf und soll der SPIEGEL ruhig Dinge aufgreifen, die meinungsbildend sind und da ist der kommentarlose Vorabdruck einiger Passagen aus einem zugegeben sehr einseitigen Buch durchaus zu akzeptieren. Immerhin haben sie das komplett frei ohne jegliche Kommentierung getan, während beispielsweise die BILD, das Fachorgan der Gehirnamputierten, solche Vorabveröffentlichungen niemals ohne hochentzündliche Suggestivfragen tut.
Die Gegenrede des SPIEGEL erfolgte eine Woche später mit immerhin gleich drei Aufsätzen verschiedener Autoren. Umfassender kann man das nicht machen.
Schrill wurde es in der Tat bei der Konkurrenz und nicht zuletzt bei den “Polit-Talkshows”, die allesamt tief in die Toilette gegriffen haben, um Aufregung zu erzeugen.
Besim, der Vorabdruck war eine bewusste Entscheidung des SPIEGELs, dem Buch von Sarrazin (und damit seinen Thesen) zu Relevanz zu verhelfen. Parallel dazu hat SPIEGEL Online geholfen, das Thema zu hypen. Michael Spreng schreibt dazu schon eine ganz gute Replik.
Also da ist Vorsicht angesagt. Es war sicherlich eine bewusste Entscheidung, man weiß auch im SPIEGEL, was Sarrazin für ein Heuler ist. Ob man es getan hat, um dem Buch zusätzliche Relevanz zu geben, die es ohnehin bekommen würde, wage ich zu bezweifeln, denn wenn sie das gewollt hätten, hätten sie offensiv für den Vorabdruck geworben, was sie nicht getan haben.
Den Vorabdruck auch nicht sofort im gleichen Heft von Gegenrednern kommentieren zu lassen, halte ich für soweit legitim, dass man auch als Nachrichtenmagazin durchaus erst einmal eine Woche darauf wartet, wie sich die Wogen in der Gesellschaft dazu bilden. Der SPIEGEL geht das Thema Migration durchaus gern offensiv an, es kommt jedoch selten vor, dass ich solchen Artikeln nicht zustimmen kann.
Michael Spreng… nun ja, er redet gern von alten Zeiten, wie alles mal war und wie wichtig er da möglicherweise. Als Politblogger gibt er oft genug ein Trauerbild ab, da ist sein Versuch, dem SPIEGEL eine wie auch immer gelagerte Schuld für die entstandenen Reaktionen auf Sarrazins Buch unterzujubeln, ein kläglicher Versuch von vielen, eine eigene Relevanz im Politbetrieb zu erzeugen. Der Vergleich zwischen BILD und SPIEGEL in Sachen Aufarbeitung des Sarrazin-Buch ist jedenfalls haarsträubend, weil grundverschieden.