Es kam Wehmut auf, als ich den über 20 Jahre alten Sony Walkman bei ebay reinstellte.
Unser Töchterchen wird wohl nicht mehr erfahren, was eine Audiocassette ist. Vinyl haben nur noch ihre Großeltern. Minidisc hatte ich einst, DAT war mir damals zu teuer, DCC war schon bei Markteintritt gescheitert. Sie alle hatten nur ein kurzes Gastspiel als Tonträger.
Die CD ist auch auf dem Weg nach draußen. Wir sind zu Hause gerade dabei, alle unsere Compact Discs als FLAC-Dateien auf dem privaten Fileserver abzulegen, die Tonträger selbst verstauben im Keller. Das Komplettwerk der Beatles wird jetzt ganz offiziell auf einem USB-Stick in Apfelform verkauft.
Als Kind habe ich über das alte Tonbandgerät meines Onkels gestaunt. 8-Track kenne ich nur aus alten Filmen. Mein Schwiegervater erzählt mir von Lochkarten und -streifen. Bei mir ging es mit 8-Zoll Floppies in der Schule und 5,25-Zoll Floppies zu Hause los.
Seit Jahren keine Floppy mehr gebraucht.
Den alten Walkman wollte keiner haben, der erste Auktionsversuch endete ohne Gebot.

Ich habe genau den gleichen Walkman und habe beschlossen, ihn nicht zu verkaufen. Erstens, weil ihn niemand kaufen würde und zweitens, weil es einer der wenigen Geräte ist, das vermutlich auch nach Jahren mit einer frischen Batterie einfach funktionieren wird, während jeder MP3-Player mit eingebautem Akku nach gewisser Zeit ohne Ladung eben einfach nicht mehr funktioniert.
Mensch, und für die DD-Walkmans (“Double-Drive”) haben wir auch noch richtig viel Schotter auf den Tisch gelegt, weil das entkoppelte Laufwerk extrem stabil gegenüber dem Leierkasten-Syndrom beim Laufen war. Solche mechanischen Meisterwerke sind heute museumsreif.
Lieber Erinnerung als Wehmut. Dass die Dinge verschwinden, ist halt Teil des Fortschritts. Bei mir liegt zwar auch noch ein Haufen alter Hardware, mit der man sicher “irgendwann” auch noch nett basteln koennte, aber letztendlich bin ich dem Fortschritt nicht boese – viele Dinge sind doch einfacher geworden, z.B. der Datentransport mit USB-Sticks, die schoen klein sind, aber doch mehr Kapazitaet haben, als Festplatten vor 10 Jahren. Oder die MP3-Player, die viel kleiner sind, als ein Walkman, aber wesentlich mehr als eine Stunde Musik speichern koennen, ohne dass man nach der Haelfte die Kassette wechseln muesste.
Eher waeren wohl mal ein paar Museen gefragt, solche Stuecke zu sammeln und mit entsprechenden Erklaerungen auszustellen.
@Besim, prüfe das lieber mal. Die Walkmen jener Serie scheinen im Laufe der Jahrzehnte eben doch kaputt zu gehen. Vom Quietschen und Brummen bei meinem Gerät berichten auch andere Leute auf ebay, die ihre Walkmen verkaufen wollen.
“Unser Töchterchen wird wohl nicht mehr erfahren, was eine Audiocassette ist.” … nicht so voreilig junger Padawan. Ich prophezeie, dass Bibi Blocksberg und Co. sehr wohl noch in Form der guten alten Cassette gehört werden.
@ring2 Ich habe irgendwo schon eine (fast) komplette ???-Hörspielserie in Kassette-Qualität gesehen. Ich glaube daher nicht, dass irgendwer die Kassetten aufbewahren wollte.
@Hanno Ich finde 5,25″-Disketten extrem praktisch, um optische Datenträger platzsparend und klapperfrei darin aufzubewahren. Einfach an zwei Seiten aufgeschlitzt, Wabbeldiskette raus, CD/DVD rein, fertig ist die Kiste. Und in einen alten Diskettenkasten passen auch deutlich mehr CDs/DVDs als auf diese “Möbel” von CD-Ständer, sind außerdem praktisch und wegstellbar.
Ja, ich bin auch froh, noch eine 5,25″-Diskettenbox auf dem Speicher gefunden zu haben.
Ich glaube, meine Generation ist die letzte, die noch viel mit Tapes zu tun hatte.
Kürzlich bekam ich einen MD-Porty geschenkt (Aiwa). Nutze ich auch manchmal noch aus Nostalgie. Den Bildplattenspieler lehnte ich aber aus Platzmangel ab.
Und exakt denselben Walkman wollte ich mir mal bei eBay schießen, war aber damals zu teuer.