Mr. Spielberg, wir müssen reden.

Vor 25 Jahren saß ich heulend im Kino, weil Sie einen Film gedreht hatten. In diesem Film musste sich ein kindsgroßer Außerirdischer vor Erwachsenen verstecken und dafür verkleidete er sich als Geist. Diese Szene verstand ich nicht. Man musste mir diesen Brauch aus dem fernen Amerika erklären, warum sich alle Kinder gruselig verkleiden und dann Süßigkeiten einsammeln.

Als dieser Film in die Kinos kam, gab es in meiner Heimatstadt nur eine Methode, Süßigkeiten an Wohnungstüren zu bekommen: Singen. Wir hatten sogar quakende Instrumente mitgenommen und vorher geübt. Nach der Runde durch die Nachbarschaft wurde die Süßigkeitentüte auf die Küchenwaage gestellt. Historisch der Tag, an dem ich 9 Pfund Süßigkeiten zusammengesungen hatte!

Mr. Spielberg und seine Kollegen haben dann in den Jahren danach immer wieder das Halloween-Meme via Kino und TV gestreut. In meiner Heimatstadt kamen immer weniger Kinder an die Tür, um zu Ehren eines Mannes zu singen, der barmherzig zu einem Bettler war. Heute zieht gar kein Kind mehr am Martinstag singend von Tür zu Tür.

Stattdessen kommen sie jetzt ein paar Tage früher vorbei und verlangen Süßigkeiten dafür, dass sie nichts verwüsten. Nach mehreren solcher Streiche trauen sich einige meiner älteren Verwandten zu Halloween nicht mehr an die Tür: Als allein lebende 90jährige Dame hätte man es schwer, sich gegen Teenager zu wehren.

Dieses Jahr waren wir Halloween nicht zu Hause. Vollkommen klar, dass wir für unsere Schutzgeldverweigerung bestraft werden mussten. Nach zwei Tagen waren die Eireste an der Wohnungstür auch schön eingetrocknet und es roch entsprechend.

Tolle Sauerei. Ein wirklich sympathisches Fest. Herzlichen Dank, Steven.

Das neue Büro hat Glaswände. Jetzt wurden die Schilder für den Notausgang angebracht:

“Panik! Wohin?”

Ebenso hilfreich ist das Schild für den Notausgang über der einzigen Tür des wenige m² großen Serverraums. Die Bauarbeiter dachten wohl, dass man sich auch dort im Notfall verlaufen kann.

How to foster self-regulation in internet discussion forums (and turn flamewars into profit):


via flickr

Terroristen suchen die Öffentlichkeit. Terrorismus ist PR:

“Terrorismus [ist] symbolische Gewalt mit echten Toten. Denn Terrorismus ist ja in gewissem Sinne immer Kommunikation, allerdings eine Kommunikation mit wirklichen Toten.”
Stefan Aust

Die Täter brauchen angsteinflößende Berichte über ihre Taten. Sie bringen ein paar wenige um, damit die ganze Gesellschaft in Angst und Schrecken gerät. Anschläge, deren Folgen die Öffentlichkeit nicht erfährt, sind nutzlos.

Man muss in Zukunft wohl damit rechnen, dass Anschläge auf Objekte wahrscheinlicher werden, wenn diese von Überwachungskameras beobachtet werden. Denn das gibt Material für die Abendnachrichten:

Verhindern konnte die Kamera diesen Anschlag nicht.


Hinweise am Schwimmbad-Eingang, Kopenhagen

  • Von mir aus kann jeder personenbezogene Daten sammeln, was, wie und soviel er will. Aber er muss dies offenlegen und dem Betroffenen klar machen, was er tut. Wer das nicht tut oder gar leugnet, macht sich strafbar.
  • Wer Daten sammelt, muss mir auf Anfrage zeitnah und vollständig darstellen, welche Daten er über mich gesammelt und was er damit getan hat und tun wird. Wer das nicht tut oder gar leugnet, macht sich strafbar.
  • Wer persönliche Daten sammelt, muss für jeden Datensatz lückenlos dokumentieren können, woher die Daten stammen. Wer das nicht kann, macht sich strafbar.
  • Wer solche persönlichen Daten ohne korrekte Dokumentation einkauft und weiterverwendet, macht sich ebenso strafbar.
  • Wer persönliche Daten weiterverkauft, muss den Weiterverkauf für jeden Datensatz dokumentieren können, sonst macht er sich strafbar.
  • Wenn ich nicht will, dass Unternehmen X meine Daten weiterverkauft, muss es sich auch daran halten. Wenn X das trotzdem tut, macht es sich strafbar.
  • Die Regeln gelten auch für den Staat und dessen Behörden.
  • Die Strafen müssen richtig weh tun.
  • Datenschutzbehörden müssen Datenhaltung überprüfen und Strafen durchsetzen können. Sie müssen politisch unabhängig sein. Und endlich mehr sein als vom Staat und der Wirtschaft ignorierte Bedenkenträger.

Schwer oder undurchsetzbar erscheint das alles nicht, aber weder seriöse Adresshändler noch die staatlichen Behörden könnten diese Forderungen heute erfüllen. Aber vermutlich ist das naiv und ich habe ein paar Dinge übersehen.

Foto von rpongsaj via flickr.

Erik hat mich zum Microblogging überredet. Twitter soll ja dauernd ausfallen, also lieber identi.ca. Mal ausprobieren. Merkwürdige Idee, wozu sowas überhaupt machen? Aber das dachte ich auch, als Blogs neu waren.

Kurz die bekannten Fakten:

Callcenter werden zwar von Lokalpolitikern in strukturschwachen Regionen mit Fördergeldern angelockt und dann bejubelt, aber wer vom Arbeitsamt faktisch gezwungen wird, dort zu arbeiten, freut sich ebenso wenig wie die Angerufenen, die er nerven muss. “Outbound”, der Euphemismus für Coldcall / Kaltakquise, bedeutet eine enorme psychische Belastung. Die Mitarbeiterfluktuation ist überdurchschnittlich.

Foto von brycej via flickr

Callcenter-Agenten müssen eigentlich sich und ihren Arbeitgeber auf Anfrage identifizieren, ebenso wie sie die Quelle ihrer Daten nennen müssen. Aber sie rufen in aller Regel ohne Anrufer-Kennung und mit falschem Namen an und legen lieber auf, wenn man sie danach fragt. Der Angerufene hat ja eh keine Handhabe gegen den Anrufer.

Auftraggeber wählen bei Callcentern den billigsten Anbieter und bezahlen einen Bonus pro erfolgten Abschluss. Callcenter-Agenten erhalten einen sehr niedrigen Stundenlohn und können diesen nur durch Abschlussprämien zu einem Gehalt auf Niedriglohnniveau aufstocken.

Es ist keine Neuigkeit, dass Outbound-Callcenter unseriös arbeiten. Schon lange gibt es Presse- und Insiderberichte, ohne dass es zu ernsthaften Sanktionen kam, die üblichen Verdächtigen der Coldcall-Betrüger arbeiten seit Jahren ungestört und zahlen ab und zu geringe Strafen, die in keinem Verhältnis zum Schaden stehen.

Die Berichte erzählen übereinstimmend, dass Callcenter-Agenten verheizt werden und man nur durch Tricks und / oder Betrug die erwartete Abschlussquote erreichen kann. Wer als Outbound-Callcenter-Agent lange im Geschäft bleibt, muss sein Gewissen abschalten oder erst gar keins mitgebracht haben.

Callcenter sind eine Methode, um Verantwortung zu verschleiern. Der Auftraggeber kann immer sagen, dass das böse Callcenter unseriös gearbeitet hat, das Callcenter kann den bösen Agenten als bedauerlichen Einzelfall hinstellen, der Betrogene kann den Agenten aber nicht identifizieren. Am Ende hat sich keiner die Hände schmutzig gemacht.

Verbraucherberatung und Presse geißeln seit langem Telefonieanbieter und Lotteriebetreiber wegen betrügerischer Callcenter-Anrufe, aber die bestreiten stets jede Schuld daran. Sie wissen zwar, dass ihre Auftragsvergabe und die Arbeitssituation Betrug notwendig machen, aber sie verschließen beide Augen und tun so, als wären sie daran völlig unschuldig.

Und jetzt sind plötzlich alle überrascht, dass in dieser Branche Kundendaten missbraucht werden und es zu Kontobetrug kam?

Foto von brycej via flickr

Die GEZ hat meinen Namenswechsel noch nicht mitgekriegt und schickt seit meinem Umzug Herrn Hanno Müller blaue Briefe, obwohl ich unter dem Namen viele Jahre treudoofer Gebührenzahler war und auch meinen Nachnamenswechsel brav mitgeteilt habe.

Dafür haben sie endlich aufgehört, meiner Frau schlimmes anzudrohen. Damit fingen sie nach dem Umzug in die gemeinsame Wohnung an.

Danke, liebe Deutsche Post, dass Ihr ganz offensichtlich die Adressdaten aus den Nachsendeaufträgen weiterverkauft.

Warum skandalisiert eigentlich niemand mal die Datensammlung der GEZ und den dort üblichen Abgleich von Daten aus verschiedenen Quellen?

Im Büro. Das Telefon klingelt, ich hebe ab.

“Guten Tag. Drehen Sie auch Erotikfilme?”

     “Äh…” (wtf?) “…wie kommen Sie denn da auf uns?”

“Na, ich habe Ihre Seite im Internet gefunden.”

     “Und wie… heißt diese Seite?”

“Äh, Agentur. Agen… Internet-Agentur. Ach so. Tschuldigung. Tschuldigung! Tut mir Leid.” (Klick.)

Eine wahre Geschichte.