“Na, hoffentlich hält Ihr Server das aus,” sagte der Redakteur von heise.de, bevor er die Meldung freischaltete, “wir haben kürzlich Bildblog überlastet.”

Mit WP-Cache und eAccelerator war’s aber kein Problem.

Die FDP Hamburg ist nicht die erste Partei, die’s 2008 mit Wahlkampf-Werbung per Spam versucht:

“Nun ist in München in Kürze Kommunalwahl. Gestern abend fiel mein Blick in meine Mailbox auf eine Mail, die irgendwie wie Spam aussah. Das war es dann auch. Irgendjemand von den Münchner Grünen hatte ein Stück Wahlwerbemüll in meine Mailbox fallen lassen. [..]

Der Herr schrieb zurück:

‘Sehr geehrte Frau B, für Ihren Ärger möchte ich mich entschuldigen. Wir mühen uns hier mit viel ehrenamtlichem Engagement, unsere Inhalte den Menschen näher zu bringen. Ohne dicke Budgets wie die großen Parteien versuchen wir über das Internet Kontakte zu gewinnen. Wir haben keinen Wahlverteiler erstellt, dies war eine einmalige Aktion.'”

2005 war offenbar sowas wie ein Testfall für den großflächigen Einsatz von Wahlkampfwerbung per E-Mail.

Heise schrieb zum Thema:

“Laut Stichproben jeweils vor drei Wochen und eine Stunde nach dem TV-Duell am vergangenen Sonntag sei die Menge unerwünschter politischer Werbe-Mails um 540 Prozent gestiegen. Die Top-5-Versender von Polit-Spam waren die SPD (47 Prozent), die CDU (29 Prozent), die FDP (16 Prozent) und die Linkspartei (5 Prozent). Die Grünen bildeten mit 2 Prozent das Schlusslicht.”

Das waren bestimmt auch alles einmalige Aktionen.

Vor einigen Tagen erhielt ich auf meinem Mobiltelefon überraschend einen Anruf von einem prominenten FDP-Mitglied, der auch Anwalt ist: “Wenn Sie auf diese Abmahnung bestehen wollen, werden wir das sportlich sehen. Dann feuern wir zurück. Das wird sehr teuer für Sie.”

vote-against-spam.gif

Was war geschehen? Ein paar Tage zuvor erhielt ich eine Mail, die Blogger dazu aufforderte, auf den Wahlwerbespot der FDP Hamburg zu verlinken. Es stellte sich heraus, dass der Absender “Niklas Sörensen” nicht existierte. Eine von der FDP beauftragte Werbeagentur wollte “viral” für “Buzz” sorgen. Sowas nennt man Guerilla Marketing. Falsche Namen, werbende Blog-Kommentare und unverlangte Mail an Multiplikatoren gehören dabei zum üblichen Handwerkzeug.

Nun ist Spam, also Werbung per unverlangter Mail, illegal. Und wer mit falschen Absendern und erfundenen Fürsprechern für sich wirbt, kann nicht erwarten, dass die Botschaft authentisch rüberkommt. Schade, wenn eine Partei, die Recht und Gesetz propagiert, solche Wahlkampfmethoden verwendet.

Mein Anwalt hat Anfang letzter Woche als Antwort eine Abmahnung an die FDP Hamburg verschickt, was zu der oben zitierten, heftigen Reaktion führte. Die von der Partei beauftragte Kanzlei war besonnener und hat offenbar schnell erkannt, dass der Fall eindeutig war: Die FDP Hamburg hat die Abmahnung noch vor Fristablauf akzeptiert.

Es ist fast schade, dass die “sportliche” Reaktion ausblieb. Man hätte vor Gericht klären können, ob Spam- und/oder getarnte Wahlwerbung in dieser Form illegal ist und ob der Auftraggeber einer Guerilla-Marketing-Kampagne für das Verhalten seiner Agentur mithaftet. Zu dieser Grundsatzentscheidung ist es nun nicht gekommen. Juristisch gesehen hat die FDP keine Schuld eingestanden, sondern “nur” kleinlaut zugegeben, dass man diesen Streit lieber nicht ausfechten will.

Der Chef der erwähnten Werbeagentur hielt einst eine Rede vor Fachpublikum, aus der ein Zuhörer die Erkenntnis “Werbung muss perfide sein” ableitete. Auch eine Abmahnung wird andere Parteien künftig nicht davon abhalten, eine Wahlkampagne mit solchen “hoffentlich erwischt uns keiner”-Methoden zu führen. Aber da jeder Betroffene einzeln abmahnen kann, kann es zum teuren Bumerang werden.

“Wo wird das Be-Greifbare, Haptische bleiben, das Element des wenigstens minimal weniger Entfremdeten?”

Stimmt, dieser Fortschritt ist wirklich schlimm.

Die Menschheit hat ja ebenso das einzigartige haptische Erlebnis von Steintafeln und Papyrusrollen verloren, seit es diese schrecklichen “Bücher”, diese zusammengebundenen Papierstapel gibt. Und dann erst dieser neumodische Gutenberg, wo wir doch früher nur die wirklich wichtigen Texte von Generation zu Generation abgeschrieben haben.

Das war noch echte Handarbeit von Könnern, alle mit einem Schlag arbeitslos geworden! Seit es diesen Buchdruck gibt, ersticken wir doch in nutzloser Information. Und jeder dahergelaufene Hallodri kann seine Texte drucken. Oder gar eine Zeitung herausbringen und damit den Pöbel informieren.

Schrecklich, diese modernen Medien.

(via netzpolitik.org)

Das beste ist vermutlich immer ein persönliches Beispiel, warum man sich von Vorratsdatenspeicherung, Online-Durchsuchung und anderen Methoden der Ermittler betroffen sieht. Denn darum geht es ja in der Diskussion: Das ungute Gefühl, dass ich dem Staat negativ auffallen könnte und er mir schaden kann, ohne dass ich etwas ausgefressen habe.

Vor einigen Jahren stand ich mal auf politik-digital.de als Kontaktadresse für einen politischen Veranstaltungskalender, den ich für die Site programmiert hatte.

Vermutlich bin ich deshalb in diverse merkwürdige Mailverteiler geraten, lustigerweise nie von den großen Parteien, sondern immer nur von irgendwelchen politischen Eiferern. Z.B. Leuten, die die katholische Kirche abschaffen und stattdessen einen fundamentalchristlichen Gottesstaat einrichten wollen. Oder einer anderen Beklopptentruppe, die überzeugt ist, dass die deutsche Regierung illegal an der Macht ist, die Grenzen von 1937 noch gültig sind und sie deshalb weder steuerpflichtig sind noch GEZ bezahlen müssen.

Seit längerer Zeit erhalte ich auch unregelmäßig Mails von türkischen Kommunisten, die als Terrororganisation gelten. Die Absender sind Wegwerfadressen, ein Unsubscribe ist vermutlich sinnlos. Hier ein älteres Beispiel:

spam2.png

Ich kenne diese Leute nicht. Ich habe mit denen nichts zu tun. Aber meine Mail-Adresse steht seit mehreren Jahren ohne meine Zustimmung in einer Datei, gespeichert auf den Computern von Leuten, denen Attentate zugeschrieben werden und die in Deutschland unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehen.

Im Rahmen einer Online-Durchsuchung oder eines Kommunikationsabgleichs über die Vorratsdatenspeicherung werde auch ich so ins Raster geraten. Und es gibt ja auch noch andere Gründe, warum man mich als Sympathisant der kriminellen linken Szene fehlbewerten könnte.

Nun vertraue ich trotzdem darauf, dass die Ermittler sauber arbeiten und ihre Daten korrekt bewerten können. Aber was passiert, wenn die sich mal irren?

Die naive Hoffnung der Ermittler, dass man mit Rasterung und Datenbankabgleich bessere Hinweise auf Gefährder finden kann, hat sich nicht bewahrheitet. Die Gefährder-Datenbanken der US-Behörden explodieren mit False-Positives, die No-Fly-List war ein gigantischer Flop.

Ebenso praxisfremd ist die Tatsache, dass der bloße Empfang oder das Ansehen bestimmter digitaler Inhalte offenbar als Verdachtsmoment ausreichend ist, um eine Hausdurchsuchung mit allen Konsequenzen zu rechtfertigen.

Wieso praxisfremd? Weil meine Mail-Adresse öffentlich ist, mein Blog Kommentare annimmt.

Spammer nutzen diese und andere Kommunikationswege, um mir alle möglichen Angebote zu schicken. Ungefragt. Darunter Links zu Bilder- und Videosites von Sadomaso-Sex, Sex mit Tieren, Sex mit Hausfrauen, Sex mit Großmüttern, Sex mit Minderjährigen. Hier ein harmloseres Beispiel:

spam.png

Beworben wird alles, was auch immer man sich abseitiges vorstellen kann und für das sich Spammen lohnt, weil sich Randgruppen so sehr dafür interessieren, dass sie für den Zugriff auf solche Bilder und Videos Geld ausgeben. Einige dieser Spam-Mails enthalten auch gleich Vorschaubilder. Igitt. Zum Glück arbeitet der Mailspam-Filter sehr effektiv, so dass ich diese Mails nicht zu Gesicht kriege.

So wie jeder Internetnutzer werde ich seit vielen Jahren ungefragt mit fragwürdigen bis eindeutig illegalen Inhalten zugeworfen. So manchem in der Justiz ist das trotzdem völlig unbekannt und so gibt es dann Ratschläge, die vollkommen bescheuert sind und über die man trotzdem nicht mehr lachen kann:

“Internetnutzer, die Mails mit kinderpornografischem Inhalt erhielten, sollten sich bei der Polizei melden und die Mail den Behörden weiterleiten, riet der Oberstaatsanwalt. ‘Schon als Adressat solcher Mails kann man ins Visier der Ermittler geraten.'”

Aha, dabei war ich froh, dass ich meinen Spamordner eben nicht ansehen muss. Jetzt soll ich meine täglich zigtausend Spam-Mails auch noch inhaltlich prüfen, damit ich mich nicht versehentlich verdächtig mache?

Und die deutschen Ermittler richten sich offenbar primär gegen die Konsumenten, aber nur wenig gegen die Absender und Produzenten. Vielleicht, weil die Schlagzeile “Kinderschänderring mit 12.000 Mitgliedern ausgehoben” einfach knalliger klingt und als Fahndungserfolg gilt, während es langweilig und unangenehm ist, über die mühsame Sozialarbeit von Jugendämtern, Lehrern, Ärzten und Polizisten zu lesen, die sich tatsächlich um Hilfe für Opfer von Missbrauch und Misshandlung kümmern müssen.

Fazit: “Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten” ist ein gern zitierter Satz. Angesichts der Vorratsdatenspeicherung und der jüngsten Praxis der Ermittlungsarbeit zu illegalen Inhalten ist damit zu rechnen, dass die Zahl der False-Positives in Deutschland ansteigen wird.

Ja, irgendwie denke ich schon, dass man dann etwas zu befürchten hat.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=Diq6TAtSECg]

Nachtrag dazu: Stimmt’s?

Several requests for OGG in Internet Tablets, but no definitive answer why not.

Now there is an answer: According to Nokia, Ogg is “proprietary technology” and they fear that it is “encumbered”. The reasoning behind this appears to be “risk of submarine patents”.

Which is curious, since Nokia is one of the supporters of software patents in Europe. So do they like software patents or not? It’s not clear. This particular choice of OGG being risky is also curious, since Linux, Gnome and Mozilla and other software foundations of Maemo Internet Tablets are IMHO equally at risk of being plastered with submarine patents.

There are other companies happily selling OGG-capable hardware and software. Why is (e.g.) Samsung not afraid of the very risk that Apple and Nokia fear?

So, what is the problem with OGG? The whole explanation doesn’t add up. And the way we handle patents still sucks.

iPod gekauft. (Klar, es gibt dafür Zubehör noch und nöcher und Apple entwickelt die Firmware weiter.) amarok geht damit nicht. Ach, geht doch. Nicht auf Anhieb in Ubuntu 7.10 installiert gekriegt. Naja, dann halt später mal ausführlicher rumprobieren.

Also bis dahin als schnelle Lösung Windows XP gebootet und iTunes installiert. Reboot notwendig. Soll iTunes Ihre Musikdateien verwalten? Nein, ich will selbst die Kontrolle behalten, Klick auf weiter.

Mir doch egal, sagt sich Apple: iTunes findet ohne Rückfrage meinen (nicht allzu großen) MP3-Ordner. iTunes entscheidet ohne Rückfrage, dass alle MP3-Dateien auf den iPod zu syncen sind. iTunes fängt ungefragt an zu rödeln: Cover für alle Alben ungefragt runterladen, Anschlüsse für pausenfreie Wiedergabe ungefragt suchen, was auch immer sonst noch ungefragt mit den MP3-Dateien tun. Immerhin fragt iTunes, ob es die iPod-Firmware updaten soll.

Die Festplatte vibriert und brummt. iTunes lässt sich nicht mehr bedienen. XP kapituliert – auf einem Dualcore-Prozessor mit 2.4 GHz. iTunes hat nach über einer Stunde Festplattenrodeo immer noch Redraw-Probleme. Keine Reaktion auf Mausklicks. Die Festplatte vibriert und brummt weiter. XP Prozessmanager gestartet und iTunes höhere Prozesspriorität zugewiesen – hilft nichts. Versuchen, iTunes zu beenden – geht nicht. Versuchen, Windows herunterzufahren – geht nicht. iTunes per Prozessmanager gekillt. Endlich Ruhe. Auf dem iPod sind nach dieser Stunde insgesamt sieben Musikdateien angekommen.

Und das ist die erfolgreichste Software für Musikverwaltung aller Zeiten?

Yay, so finally there’s an a cappella song about Web 2.0.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=fi4fzvQ6I-o]

And who’s behind it? People who claim to be working at Pixar, Google and various startups…

via isotopp

Da soll man also eine .exe-Datei installieren, die mit “sieht alles” und “verfolgt alles” beworben wird. Vielleicht sollten Herr Schäuble und Herr Ziercke die Online-Durchsuchung einfach in BKA-Widget umtaufen und ein total knuffiges animiertes Männchen auf den Desktop der Nutzer schicken. Sowas installieren die Verdächtigen dann freiwillig, das hat ja schließlich schonmal geklappt.