Wenn ich jemanden via Google, Xing oder Facebook nicht finde
- hat der dann etwas falsch oder etwas richtig gemacht?

Der Gedanke kaum auf, weil ich gerade die früheren Mitschüler für das Klassentreffen zusammensuche.

Lieber Olaf Scholz,

nun willst Du* also den glücklosen Interimsdilletanten Ahlhaus beerben und Bürgermeister von Hamburg werden.

Der Wahlkampf ist im vollen Gange und Fototermine sind wichtig. Nächsten Samstag wirst Du beim Netzcamp der SPD Hamburg sprechen. Vielleicht nur ein weiterer kurzer Termin für den Wahlkampf, schnell mal Hände schütteln, für die Fotografen vor einem Bildschirm posieren, Blitzlicht abwarten, dann weiter zum nächsten Termin.

Das wäre auch ok, aber irgendwie schade.

Gelegentlich lese ich begeistert, was einige SPDler zum Internet zu sagen haben, Deine Partei hat hervorragende Leute zum Thema Netzpolitik. Du, Olaf, lässt Dich sogar schon heute von einigen von ihnen beraten. Hervorragend.

Nur immer dann, wenn es drauf ankommt – zuletzt z.B. bei Themen wie der Online-Durchsuchung, Copyright, Internetsperren, JMstG – hörte die SPD leider nicht auf die Experten aus den eigenen Reihen, sondern auf die Wiefelspütze, Gornys und Dörmänner. (Der SPD-Onlinebeirat der SPD war darüber so frustriert, dass er sich schließlich entleibte, ohne dass es jemand in der Partei bemerkte.)

Damit folgte die SPD bei vielen Grundsatzentscheidungen zuletzt zu häufig dem inzwischen schon tragischen Missverständnis der Konservativen in Bezug auf das Internet. Für das konservative Weltbild mit seinem Wunsch nach Obrigkeit und dem Anspruch auf Autorität erscheint das Internet nicht als gute Sache, sondern als ein Problem, das reguliert, kontrolliert, beschnitten, verhindert werden muss.

Auch Du hast Dich jüngst leider dazu hinreißen lassen, der CDU zu versprechen, dass mit Dir eine Vorratsdatenspeicherung ja gar kein Problem wäre. Das war wohl als kleine Gemeinheit gegen die FDP gemeint, doch nein, es war keine tolle Idee von Dir. Einige der lautesten Aktivisten gegen die VDS sind in der SPD. Rede bei sowas doch vorher mal mit denen.

Hamburg, die Stadt, die Du regieren willst, hat eine relativ florierende Internet-Wirtschaft. Naja, relativ, ich kenne so einige Gründer, die inzwischen weniger begeistert sind. Weil die deutsche Netzpolitik so erratisch ist. Wie schizophren z.B. unser Datenschutz ist, durfte der Hamburger Datenschutzbeauftragte ja gerade persönlich feststellen.

Du könntest der erste Regionalfürst werden, der mit einer Vorreiterrolle in der Netzpolitik auch einen Standortvorteil für seine IT-Wirtschaft definiert.

Hat die SPD inzwischen eine positive Vision zum Internet?

Sag Du es mir. Vielleicht wäre es ja ein Grund, Dich zu wählen.

* Sehr geehrter Herr Scholz, Ihr Genossen duzt Euch alle. Wir im Internet auch. Ich hoffe, Du hast nichts dagegen.

Ein Sarrazin-Fan veranschaulicht in einem Online-Forum das Prinzip Sarrazin:

“Ich finde nicht schlimm, dass er seine Statistiken erfindet,
denn im Kern sind 95% seiner Aussagen richtig.”

Sarrazin exklusiv vorab drucken.
Danach sein Buch verreißen.
Später lamentieren, dass ihm ein Forum geboten wird.

Die c’t hat mal wieder LCD-TVs und Bluray-Player getestet. Natürlich sind Sonderfunktionen wie Youtube, Online-Videothek, Widgets nette kostenlose Beigaben, aber was hat man davon, wenn Websites ihre APIs ändern oder der VOD-Service eingestellt wird und man kein Update mehr für die Firmware erhält?

Der Youtube-Client meines LG-BD390-Bluray-Players ist nett, doch kann er die jetzt verfügbaren HD-Videos von Youtube nicht herunterladen, obwohl die Hardware diese abspielen könnte. Der integrierte Videoplayer spielt Filme vom Fileserver aus dem lokalen Netz, hat aber seine Macken. Das neue WebM-Format wird er wohl nicht nachträglich lernen.

Das Bluray-Format ist noch immer im Fluss: Hersteller LG weiß seit Monaten von Abspielproblemen im Regiekommentar von populären Titeln wie “Oben” oder “Wall-E”. Auch bei Basisfunktionen hakt es: Damit das Gerät Filme tonsynchron an einem LCD-TV des gleichen Herstellers abspielt, muss man Einstellungen im versteckten Service-Menu des TV-Geräts ändern.

Firmware-Updates zu diesen Problemen gibt es nicht, LG kümmert sich um die nächste Gerätereihe. Testberichte zählen Features auf, doch man erfährt wenig über die Firmware-Pflege der Hersteller in den Monaten oder Jahren nach dem Kauf.

Da ja eh alle Linux benutzen, wird man sich hoffentlich mittelfristig auf Standards einigen. Meego oder Android wären eine Möglichkeit: Youtube, Videoplayer & Co. will ich lieber als externe Apps nachinstallieren statt allein vom Gerätehersteller abhängig zu sein.

Es kam Wehmut auf, als ich den über 20 Jahre alten Sony Walkman bei ebay reinstellte.

Unser Töchterchen wird wohl nicht mehr erfahren, was eine Audiocassette ist. Vinyl haben nur noch ihre Großeltern. Minidisc hatte ich einst, DAT war mir damals zu teuer, DCC war schon bei Markteintritt gescheitert. Sie alle hatten nur ein kurzes Gastspiel als Tonträger.

Die CD ist auch auf dem Weg nach draußen. Wir sind zu Hause gerade dabei, alle unsere Compact Discs als FLAC-Dateien auf dem privaten Fileserver abzulegen, die Tonträger selbst verstauben im Keller. Das Komplettwerk der Beatles wird jetzt ganz offiziell auf einem USB-Stick in Apfelform verkauft.

Als Kind habe ich über das alte Tonbandgerät meines Onkels gestaunt. 8-Track kenne ich nur aus alten Filmen. Mein Schwiegervater erzählt mir von Lochkarten und -streifen. Bei mir ging es mit 8-Zoll Floppies in der Schule und 5,25-Zoll Floppies zu Hause los.

Seit Jahren keine Floppy mehr gebraucht.

Den alten Walkman wollte keiner haben, der erste Auktionsversuch endete ohne Gebot.

  1. Tja.

Pirate Bunny Pink by geishaboy500 on flickr

Hallo Piratenpartei, Du ehemals wilder Haufen. Man hört so gar nichts mehr von Dir. Machst Du eigentlich noch was? So richtig Opposition, mit Forderungen, Vorschlägen und konkreter politischer Arbeit? Lass doch mal wieder von Dir hören. Ach ja, und werde doch bitte Deinen rechten Freundeskreis los. Der schlechte Umgang bekommt Dir nicht gut.

N516 running OpenInkpot

Vor einigen Wochen habe ich mir einen Hanvon N516 gekauft (bei EnWo, die das Gerät über Amazon und ebay anbieten). Er verwendet das derzeit auf den meisten E-Book Readern typische 600×800 E-Ink Display. Kaufgrund war neben der Neugier, E-Ink endlich einmal in der Praxis zu erleben, die Möglichkeit, auf dem Reader die Linux-Distribution OpenInkpot zu installieren.

E-Ink bzw. E-Paper ist faszinierend, aber noch nicht so gut, wie der jahrelange Hype um diese Technologie versprochen hatte. Die Schrift ist dunkelgrau auf hellgrau, nicht schwarz auf weiß. Das Schriftbild ist vergleichbar mit dem eines Laserdruckers mit leerem Toner auf ungebleichtem Recyclingpapier. Die Qualität reicht noch nicht an Zeitungsdruck heran. Je heller es ist, desto mehr Spaß macht es aber, auf dem Gerät zu lesen. Bei strahlendem Sonnenschein liest es sich tatsächlich so angenehm wie auf Papier, aber wann ist ein Nerd schon in der Sonne? Bei schummriger Beleuchtung wünscht man sich ein LCD zurück.

Zudem ist E-Ink prinzipbedingt quälend langsam. Eine flotte animierte Benutzeroberfläche oder Darstellung von S/W-Filmen: Unmöglich. Das ist beim Lesen von Texten auch kein Problem, aber wenn die Reaktion auf einen Tastendruck eine gefühlte Ewigkeit auf sich warten lässt, wünscht man sich manchmal doch etwas mehr Interaktivität bei der Verwendung eines E-Book-Readers.

Um Strom zu sparen, um eine lange Laufzeit zu erreichen und weil das Display ja eh schon so langsam ist, verwendet der N516 eine eher gemütliche CPU, was dann bei der Darstellung komplizierter PDF-Dokumente nicht weiterhilft. Dabei ist die N516-CPU bereits flotter als viele andere Reader auf dem Markt. Er wird mit einer 2GB-SD-Karte, einem Kopfhörer und einem praktischen Lederetui geliefert. Eine Auszeichnung für Produktdesign wird er mit seinem Plastikgehäuse nicht gewinnen, er ist weniger hässlich als der Kindle 1, aber noch nicht so schön wie Kindle 2.

Über OpenInkport durfte ich für LWN.net bereits schreiben: OpenInkpot: Free Software for E-Book Readers. Die alternative Firmware installiert sich schnell und ist eine deutliche Verbesserung gegenüber der vom Hersteller mitglieferten. Da ich keinen DRM-Content kaufen möchte, ist der Verlust der DRM-Funktionen nebensächlich. OI ist schnell, gut bedienbar und das Team hat sogar ein paar kleinere Anregungen einfach so mal eben implementiert.

Die langsame Hardware und das Display sind mit Textformaten wie EPUB kein Nachteil, weil diese kaum Rechenzeit benötigen. Weniger Spaß machen komplexere PDF-Dokumente, hier ist OI noch zu langsam. Die Entwickler wollen aber mittelfristig die PDF-Engine austauschen und haben noch weitere Ideen, wie man OI beschleunigen kann. Außerdem verleidet das kleine Display den Spaß an PDF-Dokumenten im Format A4, die Schrift wird dann zu klein und kaum lesbar.

Fazit: E-Book-Reader sind eigentlich immer noch zu teuer. Und die große versprochene Revolution des Lesens sind sie auch noch nicht. Aber sie sind praxistauglich, insbesondere mit an ihre Beschränkungen angepasste Dateiformate wie EPUB. Dokumente, die ich sonst am Bildschirm gelesen oder ausgedruckt hätte, lese ich jetzt unterwegs in der S-Bahn oder in Ruhe zu Hause. Die geringe Bildauflösung 600×800 ist für A4-PDF ein Problem, die geringe Geschwindigkeit erfordert ein Umgewöhnen. Einen OI-tauglichen Reader mit 1024x1280er-Display würde ich sofort kaufen.

P.S.: Es hatte seine eigene Ironie, diesen Verriss des Kindle und der E-Ink-Technologie auf dem N516 zu lesen.

zwobot

Ok, der Witz ist recycled. Und nein, ich habe Zwobot auch damals nicht verstanden.