Hinweise am Schwimmbad-Eingang, Kopenhagen

  • Von mir aus kann jeder personenbezogene Daten sammeln, was, wie und soviel er will. Aber er muss dies offenlegen und dem Betroffenen klar machen, was er tut. Wer das nicht tut oder gar leugnet, macht sich strafbar.
  • Wer Daten sammelt, muss mir auf Anfrage zeitnah und vollständig darstellen, welche Daten er über mich gesammelt und was er damit getan hat und tun wird. Wer das nicht tut oder gar leugnet, macht sich strafbar.
  • Wer persönliche Daten sammelt, muss für jeden Datensatz lückenlos dokumentieren können, woher die Daten stammen. Wer das nicht kann, macht sich strafbar.
  • Wer solche persönlichen Daten ohne korrekte Dokumentation einkauft und weiterverwendet, macht sich ebenso strafbar.
  • Wer persönliche Daten weiterverkauft, muss den Weiterverkauf für jeden Datensatz dokumentieren können, sonst macht er sich strafbar.
  • Wenn ich nicht will, dass Unternehmen X meine Daten weiterverkauft, muss es sich auch daran halten. Wenn X das trotzdem tut, macht es sich strafbar.
  • Die Regeln gelten auch für den Staat und dessen Behörden.
  • Die Strafen müssen richtig weh tun.
  • Datenschutzbehörden müssen Datenhaltung überprüfen und Strafen durchsetzen können. Sie müssen politisch unabhängig sein. Und endlich mehr sein als vom Staat und der Wirtschaft ignorierte Bedenkenträger.

Schwer oder undurchsetzbar erscheint das alles nicht, aber weder seriöse Adresshändler noch die staatlichen Behörden könnten diese Forderungen heute erfüllen. Aber vermutlich ist das naiv und ich habe ein paar Dinge übersehen.

Foto von rpongsaj via flickr.

Erik hat mich zum Microblogging überredet. Twitter soll ja dauernd ausfallen, also lieber identi.ca. Mal ausprobieren. Merkwürdige Idee, wozu sowas überhaupt machen? Aber das dachte ich auch, als Blogs neu waren.

Kurz die bekannten Fakten:

Callcenter werden zwar von Lokalpolitikern in strukturschwachen Regionen mit Fördergeldern angelockt und dann bejubelt, aber wer vom Arbeitsamt faktisch gezwungen wird, dort zu arbeiten, freut sich ebenso wenig wie die Angerufenen, die er nerven muss. “Outbound”, der Euphemismus für Coldcall / Kaltakquise, bedeutet eine enorme psychische Belastung. Die Mitarbeiterfluktuation ist überdurchschnittlich.

Foto von brycej via flickr

Callcenter-Agenten müssen eigentlich sich und ihren Arbeitgeber auf Anfrage identifizieren, ebenso wie sie die Quelle ihrer Daten nennen müssen. Aber sie rufen in aller Regel ohne Anrufer-Kennung und mit falschem Namen an und legen lieber auf, wenn man sie danach fragt. Der Angerufene hat ja eh keine Handhabe gegen den Anrufer.

Auftraggeber wählen bei Callcentern den billigsten Anbieter und bezahlen einen Bonus pro erfolgten Abschluss. Callcenter-Agenten erhalten einen sehr niedrigen Stundenlohn und können diesen nur durch Abschlussprämien zu einem Gehalt auf Niedriglohnniveau aufstocken.

Es ist keine Neuigkeit, dass Outbound-Callcenter unseriös arbeiten. Schon lange gibt es Presse- und Insiderberichte, ohne dass es zu ernsthaften Sanktionen kam, die üblichen Verdächtigen der Coldcall-Betrüger arbeiten seit Jahren ungestört und zahlen ab und zu geringe Strafen, die in keinem Verhältnis zum Schaden stehen.

Die Berichte erzählen übereinstimmend, dass Callcenter-Agenten verheizt werden und man nur durch Tricks und / oder Betrug die erwartete Abschlussquote erreichen kann. Wer als Outbound-Callcenter-Agent lange im Geschäft bleibt, muss sein Gewissen abschalten oder erst gar keins mitgebracht haben.

Callcenter sind eine Methode, um Verantwortung zu verschleiern. Der Auftraggeber kann immer sagen, dass das böse Callcenter unseriös gearbeitet hat, das Callcenter kann den bösen Agenten als bedauerlichen Einzelfall hinstellen, der Betrogene kann den Agenten aber nicht identifizieren. Am Ende hat sich keiner die Hände schmutzig gemacht.

Verbraucherberatung und Presse geißeln seit langem Telefonieanbieter und Lotteriebetreiber wegen betrügerischer Callcenter-Anrufe, aber die bestreiten stets jede Schuld daran. Sie wissen zwar, dass ihre Auftragsvergabe und die Arbeitssituation Betrug notwendig machen, aber sie verschließen beide Augen und tun so, als wären sie daran völlig unschuldig.

Und jetzt sind plötzlich alle überrascht, dass in dieser Branche Kundendaten missbraucht werden und es zu Kontobetrug kam?

Foto von brycej via flickr

Die GEZ hat meinen Namenswechsel noch nicht mitgekriegt und schickt seit meinem Umzug Herrn Hanno Müller blaue Briefe, obwohl ich unter dem Namen viele Jahre treudoofer Gebührenzahler war und auch meinen Nachnamenswechsel brav mitgeteilt habe.

Dafür haben sie endlich aufgehört, meiner Frau schlimmes anzudrohen. Damit fingen sie nach dem Umzug in die gemeinsame Wohnung an.

Danke, liebe Deutsche Post, dass Ihr ganz offensichtlich die Adressdaten aus den Nachsendeaufträgen weiterverkauft.

Warum skandalisiert eigentlich niemand mal die Datensammlung der GEZ und den dort üblichen Abgleich von Daten aus verschiedenen Quellen?

Im Büro. Das Telefon klingelt, ich hebe ab.

“Guten Tag. Drehen Sie auch Erotikfilme?”

     “Äh…” (wtf?) “…wie kommen Sie denn da auf uns?”

“Na, ich habe Ihre Seite im Internet gefunden.”

     “Und wie… heißt diese Seite?”

“Äh, Agentur. Agen… Internet-Agentur. Ach so. Tschuldigung. Tschuldigung! Tut mir Leid.” (Klick.)

Eine wahre Geschichte.

Der großartige Horst Evers in seinem Buch Mein Leben als Suchmaschine:

Das neue Zentrum, also das neue Gehirn unserer Küche, werden nämlich intelligente Kühlschränke sein. Kühlschränke, die selbstständig feststellen, wenn Butter oder Milch ausgehen, und das dann direkt online nachbestellen. Seit Jahren im Gespräch, jetzt sind sie wohl bald serienreif und sollen auf die arglose Menschheit losgelassen werden.

Diese Kühlschränke machen mir ernsthaft Angst. Denn wenn diese Technologie in etwa so gut funktioniert wie die restliche Elektronik in meinem Haushalt, dann.. [..] Und die weiteren Schritte werden folgen, wie in der Kommunikationselektronik.

Sind die neuen Herrscher erst einmal installiert, beginnen die Demütigungen.

Vermutlich wird man die online bestellte Milch bald mit einem komplizierten Kopierschutz ausrüsten, so dass man diese Milch dann nur noch in der eigenen Küche trinken kann. Sobald man mit ihr die Küche verlassen will, wird sie nicht mehr funktionieren und sofort ausflocken. Natürlich wird man aber auch nur online bestellte Milch in diesen Kühlschrank stellen können, andere Milch wird dort sofort sauer werden. Wie das genau funktioniert, ist zwar völlig unklar, aber sie werden einen Weg finden.

Und dann kommen die neuen Betriebssysteme. Betriebssysteme, für die wir jedes Jahr einen neuen, noch intelligenteren Kühlschrank kaufen müssen. Und wenn nicht, dann können mit unserem alten Online-Kühlschrank plötzlich gar keine frische Vollmilch bestellen. Sondern nur noch Monate alte H-Milch. Und schließlich werden die ersten aufgeben und sich in ihren Innenstadtwohnungen eine Kuh und sechs Hühner halten.

Sun hat Ende der 90er Jini mit dem Slogan “die vernetzte Kaffeemaschine” der staunenden Öffentlichkeit präsentiert. Zum praktischen Einsatz im Haushalt kam es allerdings nicht, u.a. weil Sun sich nicht vorstellen konnte, dass eine Java Virtual Machine zu fett für den Einbau in eine Küchenmaschine sein könnte. Immerhin wurde der vernetzte Toaster das Thema meiner Diplomarbeit. Fazit: Die IT-Industrie forciert den vernetzten Haushalt, weil sie ein neues Absatzfeld braucht, aber haben will ihn eigentlich keiner. 🙂

Kürzlich die Dokumentation “Kubrick, Nixon und der Mann im Mond” im TV-Programm entdeckt, nur wegen des Titels den vdr darauf programmiert, keinen weiteren Programmhinweis dazu gelesen und heute angesehen:

Kubrick habe “2001” als Generalprobe für die gefälschte Mondlandung gedreht. Hollywood sei beauftragt worden, das Apollo-Programm zu inszenieren, um vom militärischen Hintergrund der angeblich zivilen Mission abzulenken.

Je länger die Sendung lief, desto ärgerlicher geworden und So’n Hals! bekommen: Warum lügt die Doku so offensichtlich, z.B. über biographische Details der Apollo-Astronauten? Was soll das? Der Sprecher erzählt doch Tinnef! Eine Mondlandungs-Hoax-Doku auf einem öffentlich-rechtlichen Sender? Irgendwann entnervt abgeschaltet und nach weiteren Informationen zur Sendung im Internet geblättert.

Puh.

Ein guter Rat für angehende Journalisten:

Wenn Dir mal keine Einleitung einfällt oder ein Argument fehlt, schreibe einfach, wieviele Treffer Dein Thema in Google liefert.

Beim Bäcker pflegen sie den EM-Spielstand so: