Der großartige Horst Evers in seinem Buch Mein Leben als Suchmaschine:

Das neue Zentrum, also das neue Gehirn unserer Küche, werden nämlich intelligente Kühlschränke sein. Kühlschränke, die selbstständig feststellen, wenn Butter oder Milch ausgehen, und das dann direkt online nachbestellen. Seit Jahren im Gespräch, jetzt sind sie wohl bald serienreif und sollen auf die arglose Menschheit losgelassen werden.

Diese Kühlschränke machen mir ernsthaft Angst. Denn wenn diese Technologie in etwa so gut funktioniert wie die restliche Elektronik in meinem Haushalt, dann.. [..] Und die weiteren Schritte werden folgen, wie in der Kommunikationselektronik.

Sind die neuen Herrscher erst einmal installiert, beginnen die Demütigungen.

Vermutlich wird man die online bestellte Milch bald mit einem komplizierten Kopierschutz ausrüsten, so dass man diese Milch dann nur noch in der eigenen Küche trinken kann. Sobald man mit ihr die Küche verlassen will, wird sie nicht mehr funktionieren und sofort ausflocken. Natürlich wird man aber auch nur online bestellte Milch in diesen Kühlschrank stellen können, andere Milch wird dort sofort sauer werden. Wie das genau funktioniert, ist zwar völlig unklar, aber sie werden einen Weg finden.

Und dann kommen die neuen Betriebssysteme. Betriebssysteme, für die wir jedes Jahr einen neuen, noch intelligenteren Kühlschrank kaufen müssen. Und wenn nicht, dann können mit unserem alten Online-Kühlschrank plötzlich gar keine frische Vollmilch bestellen. Sondern nur noch Monate alte H-Milch. Und schließlich werden die ersten aufgeben und sich in ihren Innenstadtwohnungen eine Kuh und sechs Hühner halten.

Sun hat Ende der 90er Jini mit dem Slogan “die vernetzte Kaffeemaschine” der staunenden Öffentlichkeit präsentiert. Zum praktischen Einsatz im Haushalt kam es allerdings nicht, u.a. weil Sun sich nicht vorstellen konnte, dass eine Java Virtual Machine zu fett für den Einbau in eine Küchenmaschine sein könnte. Immerhin wurde der vernetzte Toaster das Thema meiner Diplomarbeit. Fazit: Die IT-Industrie forciert den vernetzten Haushalt, weil sie ein neues Absatzfeld braucht, aber haben will ihn eigentlich keiner. :-)

Kürzlich die Dokumentation “Kubrick, Nixon und der Mann im Mond” im TV-Programm entdeckt, nur wegen des Titels den vdr darauf programmiert, keinen weiteren Programmhinweis dazu gelesen und heute angesehen:

Kubrick habe “2001″ als Generalprobe für die gefälschte Mondlandung gedreht. Hollywood sei beauftragt worden, das Apollo-Programm zu inszenieren, um vom militärischen Hintergrund der angeblich zivilen Mission abzulenken.

Je länger die Sendung lief, desto ärgerlicher geworden und So’n Hals! bekommen: Warum lügt die Doku so offensichtlich, z.B. über biographische Details der Apollo-Astronauten? Was soll das? Der Sprecher erzählt doch Tinnef! Eine Mondlandungs-Hoax-Doku auf einem öffentlich-rechtlichen Sender? Irgendwann entnervt abgeschaltet und nach weiteren Informationen zur Sendung im Internet geblättert.

Puh.

Ein guter Rat für angehende Journalisten:

Wenn Dir mal keine Einleitung einfällt oder ein Argument fehlt, schreibe einfach, wieviele Treffer Dein Thema in Google liefert.

Beim Bäcker pflegen sie den EM-Spielstand so:

“…keiner der Teilnehmer hatte es geschafft, die Bildschirmausgabe seines Laptops am Beamer zu konfigurieren.”

(via Kollegen)


Foto von Kai Nehm

Foto von leralle via flickr
Foto von leralle via flickr


Das Kommando Tito von Hardenberg feiert sich selbst für seinen Polylux-Streich. Ein großartiger Medienhack ist das aber nicht, wenn man einmal selbst erlebt hat, wie flach deren Redaktion recherchiert.

Ein großartiger Medienhacker ist Alan Abel, der seit Jahrzehnten die Presse foppt.

Ohne jeden erkennbaren Selbstzweifel vertritt er vor Journalisten absurde Thesen. Damit kommt er weit: Man kauft ihm seine Ernsthaftigkeit ab, wenn z.B. die Society for the Indecency to Naked Animals (SINA)

“Remember, a nude horse is a rude horse”

…die züchtige Bekleidung von Tieren fordert und dies gegenüber dem Reporter historisch begründen kann.

“Schon die alten Wikinger hatten bei ihren Festgelagen große langhaarige Hunde dabei, mit denen sie sich den Mund abwischten.”

Abel platziert sich immer wieder selbst unter falschem Namen als vermeintlicher Experte und tut so, als ob er das wirklich ernst meint.

Zusammen mit befreundeten Schauspielern und seiner sehr geduldigen Familie zieht er die Schwindeleien bis zum bitteren Ende durch.

Seine Tochter hat aus dieser Geschichte einen sehr witzigen Dokumentarfilm gemacht, den man auf DVD kaufen oder vielleicht mal in Wiederholung auf Arte sehen kann. Sehr empfehlenswert!

Vor 10 Jahren erlaubte sich Aaron Koenig einen kleinen Spaß mit einer Mitmach-Website für seinen Song Schick mir Dein GIF!

Surfpop für Internetsurfer inkl. Schweineorgel-Solo. “…aber bitte nicht mehr als 120K!”

Damals jobbte ich als Student bei der von Aaron mitgegründeten Agentur Lava und programmierte einen Bilder-Upload für die Website zum Song. Aus den so gesammelten Bildern wurde später ein Plattencover gestaltet. Ein großer Spaß, Web 2.0 gab’s lange vor der Erfindung des Buzzwords, nur waren die Teilnehmerzahlen geringer.

Das Lied war als kostenloser Download verfügbar und ist heute leider in der Versenkung verschwunden, man findet nur noch die alten Presseberichte mit toten Links, aber nirgends die nach wie vor coole Musik.

Das muss sich ändern. Zum zehnjährigen Jubiläum also das Revival:

Aaron Koenig: Schick mir Dein GIF! (MP3)

“Anything that is in the world when you’re born is normal and ordinary and is just a natural part of the way the world works. Anything that’s invented between when you’re fifteen and thirty-five is new and exciting and revolutionary and you can probably get a career in it. Anything invented after you’re thirty-five is against the natural order of things.”
Douglas Adams

Zufälle gibt’s.

Vor kurzem Chaosradio entdeckt, hörte ich gestern in der S-Bahn den älteren Podcast über Retrofuturismus.

Gregor Sedlag, einer der beiden Gesprächsgäste, hat gerade auf der re:publica einen Vortrag zum Ende der Science Fiction gehalten. Christian Heller hat aus dem gleichen Podcast einen Vortrag zur Technischen Singularität gemacht.

Ich war nicht in Berlin und habe beide Vorträge nicht gesehen, aber vermutlich decken sie sich mit den Thesen, sie in dem Podcast diskutieren.

Angeblich leben wir in einer Zeit der Hyperbeschleunigung: Nie zuvor in der Geschichte sollen die Innovationszyklen so kurz gewesen sein wie heute, alles wird exponentiell schneller. Einige Futurologen prophezeien deshalb eine Technologische Singularität.

Science-Fiction Autoren könnten da nicht mehr mithalten, Sci-Fi-Konzepte würden schneller Wirklichkeit als je zuvor, neue Themen gäbe es eh nicht mehr, damit, so Gregor und Christian, sei Science-Fiction langweilig und obsolet geworden.

Obwohl die Podcast-Teilnehmer die Technologische Singularität als quasi-religiös bezeichnen, übernehmen sie kritiklos die Aussage der Hyperbeschleunigung und warnen am Ende des Gesprächs sogar vor den katastrophalen Auswirkungen der vielleicht bald kommenden Singularität.

Einige Monate vorher fiel mir ein Buch von Bob Seidensticker in die Hände, das genau dieser These widerspricht: Future Hype – The Myths of Technology Change.

Das Buch ist eine nicht wirklich stringente Sammlung von Zitaten und (teilweise ermüdend oft wiederholten, teilweise leider auch falschen) Anekdoten, aber Seidenstickers Argumentation überzeugt mich trotzdem.

Seidensticker erklärt, dass es kein exponentielles Innovationswachstum gibt, sondern kurze, heftige Schübe.

Diese Innovationsschübe erleben die zeitgenössischen Beobachter als revolutionären, unglaublichen, alles verändernden Wandel. Dafür hat er schöne Beispiele aus verschiedenen Epochen. Immer in der Geschichte haben die Menschen die aufregenden Innovationsschübe im Moment des Schubs überschwänglich extrapoliert. “Wenn das so weitergeht, werden wir bald…”, diese Aussage hörte man zu jeder Zeit technologischen Umbruchs.

Aber wir haben bei solchen Vorhersagen immer wieder schlicht vergessen, dass so ein Schub auch irgendwann endet. Die Entwicklung dieser Technologie stagniert, das eben noch “exponentiell” wirkende Wachstum ist vorbei.

Seidensticker verweist (ein wenig zu) gern auf das Atomzeitalter. Damals ging man naiv davon aus, dass “in Kürze” sämtliche Energieprobleme gelöst sind und alles – vom Automobil bis zum Staubsauger – in “wenigen Jahren” von einem eingebauten Atomreaktor betrieben sein wird.

Aber es ging eben nicht immer so weiter, wir haben keine sauberen Mini-Atomreaktoren, keine Jetpacks, keine Flugautos und keine Untersee-Highways gebaut.

Irgendwann ist die einst noch revolutionäre Technologie so normal geworden, dass wir das Ende, die Stagnation des Innovationsschubs gar nicht mehr bemerken. Stattdessen gibt es zwischenzeitlich einen neuen, spektakulären Innovationsschub in einer anderen Technologie, der unsere volle Aufmerksamkeit auf sich lenkt. So bekommt man das Gefühl einer sich ständig beschleunigenden Zeit.

Thesen wie die der Technischen Singularität hat es schon immer gegeben. Schon vor Generationen wurde erwartet, dass man “in Kürze” alles erforscht, erfunden, entdeckt und die universelle Weltformel gefunden haben wird. Das Ende der Geschichte war nie so nah wie jeweils heute.

Vermutlich werden sich zukünftige Retrofuturisten über das ständige Betonen der angeblichen Hyperbeschleunigung unserer Zeit ebenso amüsieren, wie wir über die falschen Vorhersagen der Industrie-Propaganda aus der Wirtschaftswunderzeit lachen können.

Bei jedem bedeutenden Innovationsschub kam die naive Hoffnung auf, dass diese Technologie die dringendsten Probleme der Welt abschaffen, Kriege unnötig machen und damit universellen Weltfrieden bringen kann. Der Katzenjammer folgt dann erst später: Wo ist z.B. das bessere Zeitalter, das uns das “alles verändernde” Internet bringen sollte?

Ist Science Fiction damit am Ende?

Nein, aber in welchem Alter ist SciFi für den Leser interessant? Als Teenager habe ich SciFi verschlungen, heute kaufe ich mir Sachbücher. Viel spannender.