Im Büro. Das Telefon klingelt, ich hebe ab.

“Guten Tag. Drehen Sie auch Erotikfilme?”

     “Äh…” (wtf?) “…wie kommen Sie denn da auf uns?”

“Na, ich habe Ihre Seite im Internet gefunden.”

     “Und wie… heißt diese Seite?”

“Äh, Agentur. Agen… Internet-Agentur. Ach so. Tschuldigung. Tschuldigung! Tut mir Leid.” (Klick.)

Eine wahre Geschichte.

Der großartige Horst Evers in seinem Buch Mein Leben als Suchmaschine:

Das neue Zentrum, also das neue Gehirn unserer Küche, werden nämlich intelligente Kühlschränke sein. Kühlschränke, die selbstständig feststellen, wenn Butter oder Milch ausgehen, und das dann direkt online nachbestellen. Seit Jahren im Gespräch, jetzt sind sie wohl bald serienreif und sollen auf die arglose Menschheit losgelassen werden.

Diese Kühlschränke machen mir ernsthaft Angst. Denn wenn diese Technologie in etwa so gut funktioniert wie die restliche Elektronik in meinem Haushalt, dann.. [..] Und die weiteren Schritte werden folgen, wie in der Kommunikationselektronik.

Sind die neuen Herrscher erst einmal installiert, beginnen die Demütigungen.

Vermutlich wird man die online bestellte Milch bald mit einem komplizierten Kopierschutz ausrüsten, so dass man diese Milch dann nur noch in der eigenen Küche trinken kann. Sobald man mit ihr die Küche verlassen will, wird sie nicht mehr funktionieren und sofort ausflocken. Natürlich wird man aber auch nur online bestellte Milch in diesen Kühlschrank stellen können, andere Milch wird dort sofort sauer werden. Wie das genau funktioniert, ist zwar völlig unklar, aber sie werden einen Weg finden.

Und dann kommen die neuen Betriebssysteme. Betriebssysteme, für die wir jedes Jahr einen neuen, noch intelligenteren Kühlschrank kaufen müssen. Und wenn nicht, dann können mit unserem alten Online-Kühlschrank plötzlich gar keine frische Vollmilch bestellen. Sondern nur noch Monate alte H-Milch. Und schließlich werden die ersten aufgeben und sich in ihren Innenstadtwohnungen eine Kuh und sechs Hühner halten.

Sun hat Ende der 90er Jini mit dem Slogan “die vernetzte Kaffeemaschine” der staunenden Öffentlichkeit präsentiert. Zum praktischen Einsatz im Haushalt kam es allerdings nicht, u.a. weil Sun sich nicht vorstellen konnte, dass eine Java Virtual Machine zu fett für den Einbau in eine Küchenmaschine sein könnte. Immerhin wurde der vernetzte Toaster das Thema meiner Diplomarbeit. Fazit: Die IT-Industrie forciert den vernetzten Haushalt, weil sie ein neues Absatzfeld braucht, aber haben will ihn eigentlich keiner. 🙂

Kürzlich die Dokumentation “Kubrick, Nixon und der Mann im Mond” im TV-Programm entdeckt, nur wegen des Titels den vdr darauf programmiert, keinen weiteren Programmhinweis dazu gelesen und heute angesehen:

Kubrick habe “2001” als Generalprobe für die gefälschte Mondlandung gedreht. Hollywood sei beauftragt worden, das Apollo-Programm zu inszenieren, um vom militärischen Hintergrund der angeblich zivilen Mission abzulenken.

Je länger die Sendung lief, desto ärgerlicher geworden und So’n Hals! bekommen: Warum lügt die Doku so offensichtlich, z.B. über biographische Details der Apollo-Astronauten? Was soll das? Der Sprecher erzählt doch Tinnef! Eine Mondlandungs-Hoax-Doku auf einem öffentlich-rechtlichen Sender? Irgendwann entnervt abgeschaltet und nach weiteren Informationen zur Sendung im Internet geblättert.

Puh.

Ein guter Rat für angehende Journalisten:

Wenn Dir mal keine Einleitung einfällt oder ein Argument fehlt, schreibe einfach, wieviele Treffer Dein Thema in Google liefert.

Beim Bäcker pflegen sie den EM-Spielstand so:

“…keiner der Teilnehmer hatte es geschafft, die Bildschirmausgabe seines Laptops am Beamer zu konfigurieren.”

(via Kollegen)


Foto von Kai Nehm

Foto von leralle via flickr
Foto von leralle via flickr


Das Kommando Tito von Hardenberg feiert sich selbst für seinen Polylux-Streich. Ein großartiger Medienhack ist das aber nicht, wenn man einmal selbst erlebt hat, wie flach deren Redaktion recherchiert.

Ein großartiger Medienhacker ist Alan Abel, der seit Jahrzehnten die Presse foppt.

Ohne jeden erkennbaren Selbstzweifel vertritt er vor Journalisten absurde Thesen. Damit kommt er weit: Man kauft ihm seine Ernsthaftigkeit ab, wenn z.B. die Society for the Indecency to Naked Animals (SINA)

“Remember, a nude horse is a rude horse”

…die züchtige Bekleidung von Tieren fordert und dies gegenüber dem Reporter historisch begründen kann.

“Schon die alten Wikinger hatten bei ihren Festgelagen große langhaarige Hunde dabei, mit denen sie sich den Mund abwischten.”

Abel platziert sich immer wieder selbst unter falschem Namen als vermeintlicher Experte und tut so, als ob er das wirklich ernst meint.

Zusammen mit befreundeten Schauspielern und seiner sehr geduldigen Familie zieht er die Schwindeleien bis zum bitteren Ende durch.

Seine Tochter hat aus dieser Geschichte einen sehr witzigen Dokumentarfilm gemacht, den man auf DVD kaufen oder vielleicht mal in Wiederholung auf Arte sehen kann. Sehr empfehlenswert!

Vor 10 Jahren erlaubte sich Aaron Koenig einen kleinen Spaß mit einer Mitmach-Website für seinen Song Schick mir Dein GIF!

Surfpop für Internetsurfer inkl. Schweineorgel-Solo. “…aber bitte nicht mehr als 120K!”

Damals jobbte ich als Student bei der von Aaron mitgegründeten Agentur Lava und programmierte einen Bilder-Upload für die Website zum Song. Aus den so gesammelten Bildern wurde später ein Plattencover gestaltet. Ein großer Spaß, Web 2.0 gab’s lange vor der Erfindung des Buzzwords, nur waren die Teilnehmerzahlen geringer.

Das Lied war als kostenloser Download verfügbar und ist heute leider in der Versenkung verschwunden, man findet nur noch die alten Presseberichte mit toten Links, aber nirgends die nach wie vor coole Musik.

Das muss sich ändern. Zum zehnjährigen Jubiläum also das Revival:

Aaron Koenig: Schick mir Dein GIF! (MP3)