“Anything that is in the world when you’re born is normal and ordinary and is just a natural part of the way the world works. Anything that’s invented between when you’re fifteen and thirty-five is new and exciting and revolutionary and you can probably get a career in it. Anything invented after you’re thirty-five is against the natural order of things.”
Douglas Adams

Zufälle gibt’s.

Vor kurzem Chaosradio entdeckt, hörte ich gestern in der S-Bahn den älteren Podcast über Retrofuturismus.

Gregor Sedlag, einer der beiden Gesprächsgäste, hat gerade auf der re:publica einen Vortrag zum Ende der Science Fiction gehalten. Christian Heller hat aus dem gleichen Podcast einen Vortrag zur Technischen Singularität gemacht.

Ich war nicht in Berlin und habe beide Vorträge nicht gesehen, aber vermutlich decken sie sich mit den Thesen, sie in dem Podcast diskutieren.

Angeblich leben wir in einer Zeit der Hyperbeschleunigung: Nie zuvor in der Geschichte sollen die Innovationszyklen so kurz gewesen sein wie heute, alles wird exponentiell schneller. Einige Futurologen prophezeien deshalb eine Technologische Singularität.

Science-Fiction Autoren könnten da nicht mehr mithalten, Sci-Fi-Konzepte würden schneller Wirklichkeit als je zuvor, neue Themen gäbe es eh nicht mehr, damit, so Gregor und Christian, sei Science-Fiction langweilig und obsolet geworden.

Obwohl die Podcast-Teilnehmer die Technologische Singularität als quasi-religiös bezeichnen, übernehmen sie kritiklos die Aussage der Hyperbeschleunigung und warnen am Ende des Gesprächs sogar vor den katastrophalen Auswirkungen der vielleicht bald kommenden Singularität.

Einige Monate vorher fiel mir ein Buch von Bob Seidensticker in die Hände, das genau dieser These widerspricht: Future Hype – The Myths of Technology Change.

Das Buch ist eine nicht wirklich stringente Sammlung von Zitaten und (teilweise ermüdend oft wiederholten, teilweise leider auch falschen) Anekdoten, aber Seidenstickers Argumentation überzeugt mich trotzdem.

Seidensticker erklärt, dass es kein exponentielles Innovationswachstum gibt, sondern kurze, heftige Schübe.

Diese Innovationsschübe erleben die zeitgenössischen Beobachter als revolutionären, unglaublichen, alles verändernden Wandel. Dafür hat er schöne Beispiele aus verschiedenen Epochen. Immer in der Geschichte haben die Menschen die aufregenden Innovationsschübe im Moment des Schubs überschwänglich extrapoliert. “Wenn das so weitergeht, werden wir bald…”, diese Aussage hörte man zu jeder Zeit technologischen Umbruchs.

Aber wir haben bei solchen Vorhersagen immer wieder schlicht vergessen, dass so ein Schub auch irgendwann endet. Die Entwicklung dieser Technologie stagniert, das eben noch “exponentiell” wirkende Wachstum ist vorbei.

Seidensticker verweist (ein wenig zu) gern auf das Atomzeitalter. Damals ging man naiv davon aus, dass “in Kürze” sämtliche Energieprobleme gelöst sind und alles – vom Automobil bis zum Staubsauger – in “wenigen Jahren” von einem eingebauten Atomreaktor betrieben sein wird.

Aber es ging eben nicht immer so weiter, wir haben keine sauberen Mini-Atomreaktoren, keine Jetpacks, keine Flugautos und keine Untersee-Highways gebaut.

Irgendwann ist die einst noch revolutionäre Technologie so normal geworden, dass wir das Ende, die Stagnation des Innovationsschubs gar nicht mehr bemerken. Stattdessen gibt es zwischenzeitlich einen neuen, spektakulären Innovationsschub in einer anderen Technologie, der unsere volle Aufmerksamkeit auf sich lenkt. So bekommt man das Gefühl einer sich ständig beschleunigenden Zeit.

Thesen wie die der Technischen Singularität hat es schon immer gegeben. Schon vor Generationen wurde erwartet, dass man “in Kürze” alles erforscht, erfunden, entdeckt und die universelle Weltformel gefunden haben wird. Das Ende der Geschichte war nie so nah wie jeweils heute.

Vermutlich werden sich zukünftige Retrofuturisten über das ständige Betonen der angeblichen Hyperbeschleunigung unserer Zeit ebenso amüsieren, wie wir über die falschen Vorhersagen der Industrie-Propaganda aus der Wirtschaftswunderzeit lachen können.

Bei jedem bedeutenden Innovationsschub kam die naive Hoffnung auf, dass diese Technologie die dringendsten Probleme der Welt abschaffen, Kriege unnötig machen und damit universellen Weltfrieden bringen kann. Der Katzenjammer folgt dann erst später: Wo ist z.B. das bessere Zeitalter, das uns das “alles verändernde” Internet bringen sollte?

Ist Science Fiction damit am Ende?

Nein, aber in welchem Alter ist SciFi für den Leser interessant? Als Teenager habe ich SciFi verschlungen, heute kaufe ich mir Sachbücher. Viel spannender.

Yay, so finally there’s an a cappella song about Web 2.0.

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And who’s behind it? People who claim to be working at Pixar, Google and various startups…

via isotopp